Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.11.2017


Arbeitsmarkt

Zehn Jahre Chancengleichheit

Innovia wurde vor zehn Jahren gegründet. Unterschiedlichste Projekte sollen Menschen mit Behinderungen, aber auch Flüchtlingen eine Chance bieten, sich beruflich und gesellschaftlich zu integrieren.

© innoviaInnovia geht mit gutem Beispiel voran und beschäftigt selbst Menschen mit Behinderung und Lernschwierigkeiten.



Von Martina Treu

Innsbruck – Innovia will Unternehmen und die Gesellschaft dafür sensibilisieren, dass Menschen mit Behinderung mit entsprechender Unterstützung ein vollwertiges Arbeitsverhältnis eingehen können. Ganz im Sinne der Vorbildfunktion hat innovia seit August 2016 Clemens Huber als Verwaltungsassistent eingestellt. Huber hat einen sehr hohen Unterstützungs- und Assistenzbedarf, konnte dennoch seine Ausbildung in vier Jahren erfolgreich abschließen. „Es ist uns hier immer wichtig, darauf zu achten, dass wir vor allem Bewerbern eine Chance geben, die den höchsten Unterstützungsbedarf bzw. es besonders schwer haben, eine Lehrstelle zu finden“, erklärt Sokol.

Der Plan von innovia war von Anfang an ambitioniert. „Wir wollen die Projekte umsetzen, die andere nicht machen. Wir wollen also Vorbild sein“, erklärt Vera Sokol, die gemeinsam mit Johannes Ungar 2007 innovia gründete. Das soziale Dienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in Innsbruck wollte von Beginn an Lücken schließen. Gemeinsam mit anderen Anbietern bietet innovia Dienstleistungen in den Bereichen „Berufliche Integration“, „Bildung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung“, „Bildung und berufliche Qualifizierung für Personen mit Flucht- und Migrationserfahrung“, aber auch Unternehmensberatungen an.

Seit 2013 ist auch das Jugendcoaching – für Jugendliche zwischen 15 und 19, bei Bedarf auch bis 24 – ein großer Schwerpunkt. Innovia bietet hier Hilfestellungen für alle Fragen der Jugendlichen und Eltern, etwa wenn es um den Übergang von Schule zum Beruf geht. „Wir gehen dorthin, wo wir wissen, dass Menschen Hilfe brauchen“, betont Sokol. Auch der barrierefreie Zugang zu Informationen war von Beginn an ein wichtiger Aspekt. „Hier gab es in Tirol keine Angebote. Mit Capito wollten wir Menschen mit allen Formen von Behinderungen einen Zugang zu Dienstleistungen, Inhalten, Broschüren liefern“, erläutert Sokol weiter. Das allererste Projekt war „Job:Chancengleichheit“. Es wurde vom Sozialministerium Service – dem wichtigsten Finanzgeber und Unterstützer von innovia – gefördert. Ziel war, Menschen mit Behinderung und Lernschwierigkeit zu Fachkräften auszubilden.

Durch Beratungen und konkrete Unterstützung vor Ort will innovia Unternehmen dafür sensibilisieren und aufzeigen, welche Möglichkeiten bestehen, Menschen mit Behinderungen einzustellen. In Zukunft möchte das Team rund um Sokol das Jugendcoaching weiter ausbauen, auch aufgrund der Ausbildungspflicht mit 18. „Wir wollen einen Unternehmenspool aufbauen und ganz unverbindlich beraten. Auch die Bildungsberatung für Flüchtlinge ist ein Bereich, den wir weiter ausbauen wollen“, erzählt Sokol. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gemeinwohl-Bilanz. Diese Bilanz geht über die reine Wirtschaftslogik eines Unternehmens hinaus und soll aufzeigen, wie gut ein Unternehmen nachhaltig und sozial wirtschaftet. Für 2018 ist bereits die dritte innovia-Bilanz geplant. In diesem Bereich will innovia eine Vorreiterrolle einnehmen.