Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.12.2017


Arbeitsmarkt

Nur Kreative kommen an gute Köpfe

Mit „study.work.support“ geht die IT-Branche mit der FH Salzburg neue Wege. Der erhöhte Fachkräftebedarf lässt Personalsucher kreativer werden. Wird von Betrieben das Wohnthema mitgedacht, gelingt beruflicher Zuzug eher.

© Getty Images/iStockphotoAussagen wie diese berühren heutzutage kaum noch Jobsuchende. In der Personalsuche ist längst Kreativität gefragt.Foto: iStock/gustavofrazao



Von Margit Bacher

Salzburg, Innsbruck, Schwoich – Dass Not erfinderisch macht, zeigt sich an einem Beispiel von Salzburgs IT-Branche. Um den bundeslandweiten Fachkräftebedarf etwas in den Griff zu bekommen, haben sich dort zahlreiche Betriebe zusammengetan und ein österreichweit einmaliges IT-Karriere-Package für Studierende geschnürt.

Studienanfänger des Vollzeit-Bachelorstudiums Informationstechnik & System-Management können sich an der FH Salzburg für das Programm „ITSalzburg//study.work.support“ bewerben. Wer aufgenommen wird, kommt in den Genuss einer Teilzeitanstellung bei einem renommierten Salzburger (IT)-Unternehmen und erhält 680 Euro brutto/Monat (11 Stunden/Woche, mit flexiblen Arbeitszeiten, individuell vereinbar). Die Studiengebühren werden übernommen, ein fixer Praktikumsplatz wird garantiert und obendrein gibt es noch 120 Euro pro Monat Wohnkostenzuschuss.

„An dieser Geschichte gibt es wirklich keinen Haken“, beteuert Julia Grasmann, die in der Studienberatung der FH Salzburg tätig ist. Auch sie sei zu Beginn, als sie zum ersten Mal von diesem Programm hörte, skeptisch gewesen. Aber die Studierenden sind keinem dieser IT-Partnerbetriebe verpflichtet oder nach dem Abschluss auf Jahre vertraglich gebunden. „Die Studierenden können sogar innerhalb der sechs Semester im Bachelorstudium ihre Arbeitgeber wechseln, je nach Interesse und beruflichen Erfahrungen, die sie sammeln möchten.“

Mittlerweile würden sich immer mehr Salzburger Betriebe dieser speziellen IT-Partnerschaft anschließen, weil sie die Vorteile erkennen. Die Studierenden vereinbaren Theorie und Praxis von Anfang an und genießen dabei auch eine gewisse finanzielle Sicherheit. Und außerdem könnten sich die Betriebe von Studienbeginn an als attraktive Arbeitgeber präsentieren, meint Grasmann.

Die Arbeitsmarktsituation zwingt mittlerweile auch Personalsucher, kreativer zu sein. Um mehr Bewerber und Kandidaten zu erreichen, verbreitet conSALT, ein Tiroler Personaldienstleister, seine Jobangebote seit Kurzem auch in einem Kurzfilm-Format über die Sozialen Netzwerke Facebook und Instagram als zusätzlichen Kanal. „Wir versuchen in der Personalsuche immer wieder, innovativere Wege zu gehen“, sagt Angerer. Jobs auf Facepook zu posten, sei den Nutzern schon zu langweilig geworden, berichtet Angerer. Mit den Kurzvideos wolle man in knapp einer Minute die wichtigsten Details vermitteln, „die weiteren Infos holen sich die Interessierten von unserer Homepage“, erzählt Angerer. Dass das Format aktuell ist, zeige auch der Umstand, dass ja auch mittlerweile Nachrichtenportale dieses Format der Kurzfilme für sich entdeckt haben, wie etwa auch die ZiB-kompakt, meint Angerer.

Und auch wenn das Kurzfilm-Projekt erst seit drei Monaten läuft, die Zugriffszahlen würden zeigen, dass dieser Kanal funktioniert. „Wir analysieren laufend die Daten und versuchen uns natürlich auch laufend zu verbessern“, sagt der Personalexperte. Man nütze die Möglichkeiten von Facebook, etwa im Eingrenzen der Zielgruppen und im Promoten.“

Für Bewegung am Arbeitsmarkt wird Anfang Jänner auch die überregionale Arbeitsvermittlung sorgen. Arbeitssuchenden wird ab diesem Zeitpunkt zugemutet, sofern keine Familienbetreuungspflichten bestehen, dass sie auch in andere Bundesländer vermittelt werden können, anderenfalls drohe die Streichung des Arbeitslosengeldes. Ob und wie das Ganze dann allerdings in der Realität gelebt und exekutiert wird, darauf sei man auch beim AMS in Tirol schon gespannt.

Sandoz versuchte sein Glück erst kürzlich in Wien und präsentierte seine vielen offenen Stellen samt Karrierechancen an den verschiedenen Standorten auf einer Jobbörse. Mit einer geringen Ausbeute, gestand Wolfgang Zelle, Personalverantwortlicher bei Sandoz Austria. Er war kürzlich Gast beim AMS-Forschungsgespräch über die aktive Arbeitsmarktpolitik in Österreich.

Für Bernhard Pichler, Leiter der Abteilung Service für Unternehmen beim AMS Tirol, ist berufliche Mobilität vor allem auch mit einem wichtigen Thema verknüpft, dem in Zukunft in Sachen Personalsuche viel mehr Augenmerk geschenkt werden müsse. „Wenn Betriebe nicht auch das Wohnthema mitdenken oder die Mobilität unterstützen, dann wird es auf Dauer schwierig sein, Leute aus dem Osten oder von wo auch immer nach Tirol zu holen“, meint Pichler.

Was große Tourismusbetriebe heute ihren Mitarbeitern bieten – moderne Wohnmöglichkeiten in Lodges oder Personalhäusern neben vielen weiteren Anreizen wie Skipässe, Wellnessbehandlungen, Kindergartenplätze etc. –, damit haben vor vielen Jahren auch die Jenbacher Werke, die Papierfabrik Wattens oder auch Swarovski gepunktet. „Diese Betriebe haben damals günstigen Wohnraum bereitgestellt, damit ihre Mitarbeiter mit ihren Familien Fuß fassen konnten.“ Viele Jahre später scheint es also nun eine ähnliche Situation zu geben, meint Pichler.

Und Jobsuchende von auswärts wissen mittlerweile, dass ein großer Teil ihres Einkommens für die hohen Miet- und Lebenserhaltungskosten in Tirol draufgehen werden. Und dann möchte nicht mehr jeder dort arbeiten, wo andere ihren Urlaub verbringen.




Kommentieren


Schlagworte