Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.01.2018


Arbeitsmarkt

Zwist um Mangelberufe und Steuersenkung im Tourismus

Touristiker kritisieren Polemik in der Diskussion um den Fachkräftemangel.

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Wien, Innsbruck – Die Debatte um eine regionalisierte Mangelberufsliste werde immer wieder äußerst polemisch geführt, verteidigt Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) Pläne der Bundesregierung. „Wir brauchen schlicht und ergreifend Fachkräfte, um den Betrieb in vielen österreichischen Unternehmen aufrecht erhalten zu können.“

Laut dem Regierungsprogramm sollen künftig nach Nachfrage in den Bundesländern und nicht wie derzeit bundesweit Mangelberufslisten erstellt werden. Betriebe im Westen Österreichs suchen nämlich händeringend nach Köchen. Würde der Beruf auf der Mangelberufsliste stehen, dürften Touristiker Fachkräfte aus dem Ausland anstellen.

Der Bedarf am inländischen Arbeitsmarkt sei trotz Anstrengungen der Betriebe und des AMS unmöglich abzudecken, heißt es von Seiten der WKÖ am Rande des gestern in Wien angelaufenen Hoterlierskongress der Hoteliersvereinigung (ÖHV). Es gehe keinesfalls darum, Lohndumping zu betreiben, erklärt Nocker-Schwarzenbacher weiter, die das Sozialministerium auf eine rasche Umsetzung drängt.

„Wenn keine einheimischen Arbeitskräfte im Tourismus arbeiten wollen, liegt das zum ganz großen Teil an den schlechten Rahmenbedingungen wie niedrige Löhne, familienfeindliche Arbeitszeiten und schlechte Aufstiegschancen“, kontert Philip Wohlgemuth, Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes ÖGB in Tirol. Durch die geplante Verkürzung der Ruhezeiten würden die Rahmenbedingungen sogar noch verschlechtert.

Das Finanzministerium hat gestern indes bekräftigt, dass die angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer auf Übernachtungen im Tourismus von 13 auf 10 Prozent „fix“ sei und noch heuer umgesetzt werde. Das kritisierte einmal mehr SPÖ-Budget- und Finanzsprecher Jan Krainer. Die Tourismuswirtschaft werde „mit den 13 Prozent ohnehin schon deutlich bevorzugt, denn normalerweise zahlen Unternehmen 20 Prozent Mehrwertsteuer“. (ecke, TT)