Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.02.2018


Bezirk Kufstein

Kufsteins Touristiker setzen auf Ganzjahresdestination

Der Fachkräftemangel und wie man junge Leute motivieren kann, im Tourismusbereich zu arbeiten, waren Themen bei einem Stammtisch.

© Michael MaderErster Tourismus-Stammtisch in Kufstein: Thomas Sappl, Johann Rieser, Josef Greil und Georg Hofer diskutierten mit Tirol-Werbung-Geschäftsführer Josef Margreiter und Fachgruppenobmann Mario Gerber (von links).



Von Michael Mader

Kufstein – Die Fachgruppe Hotellerie in der Tiroler Wirtschaftskammer mit Obmann Mario Gerber hat kürzlich Unternehmer aus dem Bezirk zum ersten Kufsteiner Tourismus-Stammtisch versammelt. Als Gast mit dabei war Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung.

„Der frühe und kräftige Wintereinbruch insbesondere auch in den niedrigen Lagen hat die Nachfrage zusätzlich stimuliert und für eine gute Auslastung zum Jahreswechsel gesorgt. Auch die Buchungslage für die weiteren Ferienzeiten ist vielversprechend. Gleichzeitig gilt es, die Lücken im Jänner selbstkritisch zu beobachten“, zog Margreiter Bilanz. Er findet die Positionierung in Richtung Ganzjahrestourismus absolut richtig. Erfolgsfaktor Nummer eins in Tirol seien die Familienbetriebe. Mit seinen rund 36.000 Betten zählt der Bezirk Kufstein 4,5 Millionen Nächtigungen. Damit entfallen rund zehn Prozent aller Nächtigungen in Tirol auf den Bezirk Kufstein.

Der Bezirk ist laut Gerber gut aufgestellt: „Von den Tiroler Festspielen in Erl bis zum Forum Alpbach gibt es das ganze Jahr über eine hohe touristische Wertschöpfung. Damit zeigt Kufstein erfolgreich vor, in welche Richtung sich der Tiroler Tourismus entwickeln muss. Große Steigerungen im Winter sind kaum mehr möglich.“

Probleme ergeben sich unter anderem durch den Fachkräftemangel. „Es ist sehr wichtig, dass wir gut ausgebildete Leute haben. Wir müssen die jungen Leute abholen, sie müssen Spaß am Tourismus haben“, meint Gerber.

Da gebe es bereits tolle Ideen. Beispielsweise Tourismus-Stammtische auch in Schulen zu veranstalten. „Wir sind besser, als wir dargestellt werden, aber es gelingt uns einfach nicht, die Vorteile zu kommunizieren“, glaubt Gerber. Der Koch, der zwölf Stunden arbeiten muss und 1600 Euro verdient – das sei ein Ammenmärchen.

Lob gab es von Margreiter unter anderem für den Schwung im Tourismusverband Kufsteinerland mit seinem Kongress- und Wirtschaftstourismus: „Mit den Tiroler Festspielen, viel Kleinkunst, der Operette und Musikfestivals hat man sich als Kulturregion etabliert.“ Und dann gebe es natürlich auch noch den gesundheitsorientierten Tourismus mit hochqualifizierten Betrieben.

Was es laut Margreiter unbedingt brauche, sei eine Vorteilslösung für Einheimische, ähnlich den Gästekarten.

Die Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Tirol ist mit 5000 Mitgliedsbetrieben die größte Interessenvereinigung aller österreichischen Bundesländer. Im Bezirk Kufstein gibt es 511 Betriebe.

Gerber: „Der Tiroler Tourismus ist mit seinen 60.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 8,4 Milliarden Euro eine zentrale Säule des Wirtschaftsstandorts. Dabei werden die Rahmenbedingungen immer härter.“