Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.02.2018


Arbeitsmarkt

Flucht in Teilzeit wegen fehlender Betreuung

Der Anteil der Beschäftigten in Teilzeit stieg in 20 Jahren von 13,5 auf 28,9 Prozent. Grund ist laut Arbeiterkammer die Betreuung von Kindern.

© VettaMit Kindern zu arbeiten, braucht Talent für Organisation. Wegen Mangel an Kinderbetreuungsplätzen wird oft Teilzeit gearbeitet.Foto: iStock



Linz, Wien – Kinderbetreuung ist für mehr als die Hälfte der Personen in Teilzeitarbeit das Motiv für ihre Entscheidung und damit der häufigste Beweggrund. Das ergab eine Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich. Demnach würden 29 Prozent eine Vollzeitstelle wollen, aber keine finden.

Ausgangspunkt für die Motivsuche der Arbeiterkammer ist der auf mehr als das Doppelte gestiegene Anteil der Teilzeitbeschäftigten an den unselbstständig Erwerbstätigen von 13,5 Prozent im Jahr 1996 auf 28,9 Prozent im Jahr 2016: Von 3,7 Millionen Erwerbstätigen waren rund 1,1 Millionen in Teilzeit. Die weitaus meisten sind weiblich – 860.000 Frauen stehen 200.000 Männern gegenüber.

Für mehr als die Hälfte der Befragten – zum Großteil Frauen – ist die Betreuung von Kindern ein wichtiges Motiv. Auffallend ist, dass in Oberösterreich 65 Prozent diesen Grund als sehr und eher wichtig nennen, in Wien aber nur 41 Prozent.

Mit rund einem Drittel der Nennungen zweithäufigstes – für Frauen und Männer gleichermaßen wichtiges – Motiv, sich für Teilzeit zu entscheiden, ist, mehr Zeit für persönliche Interessen zu haben. Anders als bei der Kinderbetreuung werden in dieser Gruppe aber sehr häufig zusätzliche Gründe genannt: meist Stress in der Arbeit sowie Gesundheit, aber auch berufsbezogene Weiterbildung. Etwas weniger als ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten würde lieber Vollzeit arbeiten, findet aber keine entsprechende Stelle. Das sind häufig Alleinstehende, die für ihr Einkommen gänzlich auf sich selbst gestellt sind.

Befragte, die wegen der Kinderbetreuung Teilzeit gewählt haben, betrachten ihren Status tendenziell als zeitlich befristet. Umgekehrt verhält es sich bei jenen, für die Zeit für persönliche Interessen, Arbeitsstress und Gesundheit die ausschlaggebenden Motive waren: Sie sehen Teilzeit mehrheitlich als Lösung für das gesamte verbleibende Berufsleben. Und jene, die Teilzeit aus Mangel an Alternativen zustimmen mussten, sehen in der Teilzeit meist eine Notlösung.

„Schaut so aus, als wäre der Trend zur Teilzeit in Wahrheit vielfach eine Flucht in die Teilzeit – aufgrund fehlender oder unpassender Kinderbetreuungsangebote sowie aufgrund überbordender Arbeitsverdichtung in den Betrieben. Da muss man ansetzen“, kommentiert AK-Präsident Johann Kalliauer die Ergebnisse der Studie. Sie zeige, dass Teilzeit als berufliches Kürzertreten in bestimmten Lebensphasen und als Schutz für die Gesundheit gesehen werde. Viele würden wieder voll zurück in den Job wollen. (APA)