Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.03.2018


Osttirol

Jobberatung in Osttirol: „Frauen über 50 sind chancenlos“

Das Frauenberufszentrum Osttirol berät Frauen auf Arbeitssuche. Mit dem „falschen“ Geburtsdatum sei ein Job fast unerreichbar.

© Oblasser„Auch wenn die Frau noch so qualifiziert ist, sie wird mit über 50 Jahren einfach nicht mehr eingestellt“, sagt Itta Tenschert
 (Frauenberufszentrum)



Von Catharina Oblasser

Lienz – Im Juni 2017 startete in Lienz das Frauenberufszentrum mit seiner Beratertätigkeit. Ziel des Zentrums ist es, Frauen bei der Jobsuche zu unterstützen und über Berufsmöglichkeiten zu beraten. Der Kontakt zu den Klientinnen kommt über das AMS zustande.

Bis Ende Dezember 2017 hat das Frauenberufszentrum Osttirol 27 Arbeitssuchende betreut. Für statistisch haltbare Aussagen mag die Zahl zu gering sein, doch die Fälle spiegeln dennoch Trends am regionalen Arbeitsmarkt wider. Eine Erfahrung, die Geschäftsführerin Itta Tenschert in Lienz gemacht hat, gibt ihr sehr zu denken.

„Mit über 50 haben Frauen praktisch keine Chance mehr, einen Job zu finden. Sie können noch so qualifiziert sein, es ergibt sich einfach nichts.“ In vielen Fällen hätten die Bewerberinnen genau den Anforderungen der Stelle entsprochen. „Nur das Geburtsdatum war falsch“, meint die Geschäftsführerin. Über die Gründe kann Tenschert nur mutmaßen. Es gebe vielleicht genügend junge Bewerberinnen, die bevorzugt würden.

Abgesehen vom Alter gibt es laut Tenschert aber weitere Hemmnisse für Frauen, einen Job zu finden bzw. anzunehmen. „Ein abgelegener Wohnort und kein Zweit­auto“, nennt sie ein Beispiel. Oder die traditionelle Art der Ausbildung im Handel oder Tourismus. Die Arbeitszeiten in diesen Branchen seien mit Betreuungspflichten meist sehr schlecht vereinbar.

Deshalb ist das aktuelle Frauenvolksbegehren ein großes Anliegen, nicht nur für Tenschert, sondern auch für Elisabeth Grabner-Niel, die das Sammeln von Unterstützungen in Tirol koordiniert. Das Volksbegehren kann noch bis 12. März unterschrieben werden. Lohngerechtigkeit für Männer und Frauen ist eine der Forderungen. „In Tirol beträgt der Bruttostundenlohn von Frauen 12,13 Euro. Männer bekommen hingegen 15,84 Euro“, erläutert Grabner-Niel. Und das über alle Branchen und Arbeitszeitmodelle hinweg.