Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.03.2018


Arbeitsmarkt

Heikles Papier: AMS Tirol relativiert

Muslimische Frauen seien in allen Branchen beschäftigt, betont das AMS Tirol. Aggressionen gegen AMS-Personal seien die Ausnahme.

© TT/Böhm(Symbolbild)



Von Max Strozzi

Wien, Innsbruck – Es ärgere ihn, dass der interne Revisionsbericht des AMS zu Problemen bei der Jobvermittlung von Migranten öffentlich wurde, sagte gestern AMS-Chef Johannes Kopf. „Wir selbst haben den Bericht bestellt, wir selbst haben die Revision gebeten, dort näher hinzuschauen, um die Dinge besser zu machen“, erklärte Kopf im Radio. Wie berichtet, sprach das von der Presse veröffentlichte Dokument – es basiert auf Befragungen von AMS-Führungskräften aus vier Bundesländern (Tirol war nicht darunter) – von mangelnden Deutschkenntnissen als Problem bei der Beratung und Vermittlung von arbeitslosen Migranten. AMS-Geschäftsstellen würden klagen, dass es nicht genügend Plätze in Deutschkursen gebe. Tschetschenen seien überdurchschnittlich oft gewaltbereit, muslimische Frauen würden diverse Ausbildungen aufgrund ihrer Religion nicht annehmen, Väter und Ehemänner würden die Integration ihrer Kinder und Frauen verhindern.

„Mit Deutschkursen bieten wir auch einen Ausweg. Und da gibt es keine Eskalationen.“ Ingo Mayr (Betriebsrat AMS)
- Rottensteiner/ TT

„Es gibt bei Beratungen schwierige Situationen, was Aggressivität oder Berufswahl vor dem religiösen Hintergrund betrifft. Doch das sind Einzelfälle, einen Mainstream kann man nicht daraus ableiten“, erklärt Tirols AMS-Chef Anton Kern. Dass muslimische Frauen bestimmte Jobs nicht annehmen würden, könne er nicht bestätigen. „Frauen mit muslimischem Hintergrund sind in allen Branchen in Beschäftigung“, so Kern.

„Es gibt bei Beratungen schwierige Situationen, aber das sind Einzelfälle.“ Anton Kern (AMS Tirol)
- Böhm/ TT

Auch Tirols AMS-Betriebsratschef, Tirols Ex-SPÖ-Chef Ingo Mayr, spricht von Ausreißern. „Mit ist kein Fall bekannt, wo Migranten Jobs nicht annehmen, etwa weil der Servicegedanke abgelehnt wird“, so Mayr. Was das Aggressionspotenzial betrifft, habe es in der Vergangenheit „Verbalattacken gegeben und einige wenige Angriffe ohne körperliche Schäden“. Für das Personal gebe es Schulungen zum interkulturellen Verständnis. In der AMS-Geschäftsstelle Innsbruck sei aber auch ein Security-Dienst im Einsatz.

Die von der Regierung geplanten AMS-Kürzungen, etwa bei Deutschkursen, würden aber solche Gefahren erhöhen. „Situationen eskalieren dann, wenn wir Arbeitslosen nichts anbieten können“, so Mayr. Bei schwebenden Asylverfahren oder fehlenden Qualifikationen sei eine Jobvermittlung zunächst nicht möglich. „Wenn wir Deutschkurse anbieten, bieten wir auch einen Ausweg an und da gibt es keine Eskalationen.“