Letztes Update am Mo, 09.04.2018 11:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Arbeitsklimaindex: Rund Hälfte der Kellner will Arbeitsplatz wechseln

Obwohl händeringend nach Kellnern gesucht wird, steht der Job nicht hoch im Kurs. Grund dafür sind belastende Arbeitsbedingungen, überlange Arbeitszeiten und schlechte Entlohnung.

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Wien – Die boomende Tourismusbranche sucht händeringend nach Kellnern, Köchen und Co, bei vielen Beschäftigten stehen die Jobs aber nicht hoch im Kurs: Knapp die Hälfte der Kellner will den Arbeitgeber oder gar den Job wechseln, geht aus dem aktuellen Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich hervor. „Die Probleme in der Gastronomie sind hausgemacht“, so AK-Präsident Johann Kalliauer am Montag.

Nur 38 Prozent „können gut von ihrem Lohn leben“

„Anstatt über einen Mangel an qualifiziertem Personal zu jammern, sollen die Wirte und Hoteliers lieber vor der eigenen Türe kehren, ihre Beschäftigten ordentlich behandeln und die Lehrausbildung wieder forcieren“, fordert er per Aussendung. Ein Viertel der Beschäftigten klage über unregelmäßiges Gehalt, nur 38 Prozent „können gut von ihrem Lohn leben“. Fast ein Drittel sei mit der sozialen Absicherung unzufrieden. Laut AK waren 2016 rund 216.000 Arbeitnehmer in der Gastronomie und Beherbergungsindustrie tätig – ein Viertel davon war geringfügig beschäftigt, über 40 Prozent Teilzeit.

Die Lust, zu wechseln, ist laut der aktuellen Auswertung besonders bei Kellnern hoch: 18 Prozent möchten sich einen neuen Betrieb suchen, sogar 28 Prozent wollen überhaupt einen anderen Job annehmen. „Der Durchschnitt aller Berufsgruppen liegt bei nur sieben Prozent“, so die AK. Anders sieht es bei den Köchen aus: Nur 10 Prozent wollen den Arbeitgeber wechseln, 7 Prozent der Köche können sich vorstellen, einen anderen Beruf auszuüben. Sie fühlen sich durch die Arbeit aber besonders belastet.

Kaum Anreize, im Gastgewerbe zu bleiben

„Die oftmals belastenden Arbeitsbedingungen, überlange Arbeitszeiten zu Randzeiten und schlechte Entlohnung auf Basis von Teilzeitarbeit oder geringfügiger Beschäftigung stellen kaum Anreize dar, im Gastgewerbe zu bleiben oder eine Beschäftigung im Gastronomiebereich aufzunehmen“, meint Kalliauer.

Das schlage sich auch in den Krankenständen nieder: Gastrobeschäftigte seien um 1,5 Tage länger krank als der Schnitt aller Beschäftigten. „Und nur die Hälfte der Beschäftigten glaubt, bis zur Pension im jetzigen Job durchzuhalten.“ (APA)