Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.04.2018


Arbeitsmarkt

Jeder zweite Kellner will Job wechseln

Eine Umfrage befeuert die Debatte um Tourismus-Jobs. Die Branche sieht sich auf dem Weg der Besserung.

© Getty Images/iStockphotoViele Kellner sind laut AK mit ihrem Job unzufrieden.Foto: iStock



Wien – Die Tourismusbranche suchte zuletzt händeringend nach Kellnern, Köchen und Co., bei vielen Beschäftigten stehen die Jobs aber nicht hoch im Kurs: Knapp die Hälfte der Kellner will den Arbeitgeber oder gar den Job wechseln, geht aus dem aktuellen Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich hervor, durchgeführt von den Meinungsforschungsinstituten SORA und IFES. „Die Probleme in der Gastronomie sind hausgemacht“, sagte AK-Präsident Johann Kalliauer. „Anstatt über einen Mangel an qualifiziertem Personal zu jammern, sollen die Wirte und Hoteliers lieber vor der eigenen Türe kehren, ihre Beschäftigten ordentlich behandeln und die Lehrausbildung wieder forcieren“, forderte er. Ein Viertel der Beschäftigten klage über unregelmäßiges Gehalt, nur 38 Prozent „können gut von ihrem Lohn leben“. Fast ein Drittel sei mit der sozialen Absicherung unzufrieden. Laut AK waren 2016 rund 216.000 Arbeitnehmer im Tourismus tätig – ein Viertel davon war geringfügig beschäftigt, über 40 Prozent Teilzeit.

Bei Kellnern ist die Lust, den Job wechseln, besonders hoch: 18 Prozent möchten sich laut AK-Index einen neuen Betrieb suchen, sogar 28 Prozent wollen überhaupt einen anderen Job annehmen. „Der Durchschnitt aller Berufsgruppen liegt bei nur sieben Prozent“, so die AK.

Mario Pulker, Gastronomie-Fachverbandsobmann in der Wirtschaftskammer Österreich, sagte auf Ö1, dass die Betriebe die Arbeitsbedingungen stetig verbessern wollten und daran arbeiteten, „die Löhne noch mehr in die Höhe zu ziehen“. Bei den Köchen sei die Arbeitszufriedenheit deutlich angestiegen, nur 7 Prozent spielten mit dem Gedanken, den Beruf zu wechseln.

Laut Oberösterreichs AK-Präsident Kalliauer würden sich die oftmals belastenden Arbeitsbedingungen auch in den Krankenständen niederschlagen: Beschäftigte in der Gastronomie seien 1,5 Tage länger krank als der Schnitt aller Beschäftigten. „Und nur die Hälfte der Beschäftigten glaubt, bis zur Pension im jetzigen Job durchzuhalten“, so Köstinger. (APA)