Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.06.2018


Arbeitsmarkt

„Erfahrung ist Gold wert“

Die Firma Geberit Huter setzt bei der Suche nach Fachkräften gezielt auch auf Ältere.

© DomanigPersonalchef Hannes Seidner (l.) und GF Wolfgang Büstrow bauen bewusst auf ältere Fachkräfte wie Gerhard Gasser (2. v. r.) und Peter Brugger – für LR Patrizia Zoller-Frischauf ein Zugang mit Vorbildcharakter.



Mühlbachl, Innsbruck – „Ich hoffe, dass dieser innovative Ansatz viele Nachahmer findet“, erklärte Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf gestern bei einem Pressegespräch in Innsbruck – und meinte damit die Firma Geberit Huter aus Mühlbachl. Der Spezialist für vorgefertigte Sanitärelemente, der am Standort Wipptal 128 Mitarbeiter beschäftigt (und am 23. Juni ab 9.30 Uhr zum Tag der offenen Tür bittet), setzt nämlich schon seit rund zwei Jahren gezielt auf ältere Fachkräfte aus der Baubranche und deren interne Umschulung.

Die Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten in Tirol seien zwar gut, betonte Zoller-Frisch­auf, der Arbeitsmarkt aber „ausgetrocknet“: Allein im Bereich Gewerbe und Handwerk würden ca. 3000 qualifizierte Mitarbeiter fehlen. Und daher gelte es eben – neben anderen Maßnahmen wie einer stärkeren Bewerbung der Lehre oder Anregungen für Mädchen, technische Berufe zu erlernen –, auch mehr Augenmerk auf ältere Arbeitskräfte zu legen. „Sie haben die meiste Erfahrung, die darf man nicht liegen lassen.“

Genau so sieht das auch GF Wolfgang Büstrow von Geberit Huter. Aufgrund der starken wirtschaftlichen Entwicklung brauche man dringend qualifizierte Kräfte, um das Auftragsvolumen überhaupt bewältigen zu können. Aber man tue sich sehr schwer, Fachkräfte – wie auch Auszubildende – zu gewinnen. Daher habe man beschlossen, statt ungelernter Arbeiter oder Leasingkräfte verstärkt auf ältere Facharbeiter und deren Know-how zu setzen: Seit 2017 wurden acht Mitarbeiter eingestellt, die 54 Jahre oder älter sind. Das seien zum einen Installateure, zum anderen Mitarbeiter mit unterschiedlichsten Qualifikationen, die intern zu Metallfacharbeitern umgeschult werden, so Büstrow.

Bisher habe man „sehr gute Erfahrungen gemacht“, bilanziert Personalchef Hannes Seidner: Die älteren Mitarbeiter seien nicht nur eine „extreme Bereicherung fürs Betriebsklima“, sondern würden sogar einen „höheren Output“ aufweisen als jüngere Arbeitskräfte. Eine größere Zahl an Krankenständen sei hingegen nicht festzustellen. Hinzu komme: „Bei älteren Mitarbeitern wissen wir, dass sie bis zur Pension bei uns bleiben.“

Gerhard Gasser arbeitet seit eineinhalb Jahren bei Geberit Huter. Davor war er 30 Jahre als Installateur am Bau tätig, die letzten zehn Jahre als Selbstständiger. „Diese Erfahrung ist Gold wert“, lobt Büstrow. „Ich werde jetzt 55“, sagt Gasser, die Arbeit am Bau sei speziell im Winter immer fordernder geworden. Er bereue den „neuen Weg“ – mit geregelten Arbeitszeiten in der Halle – nicht, auch wenn es wieder vieles zu lernen galt.

Dieser Meinung ist auch Peter Brugger, gelernter Büchsenmacher, der aber die letzten 25 Jahre als Hüttenwirt auf Boscheben tätig war, bis er den Betrieb u. a. wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben musste. Bei Geberit wurde er auf Metalltechniker umgeschult – und obwohl ihm die Arbeit an den gewaltigen Maschinen zunächst Respekt abgenötigt habe, habe er nun viel Freude damit. (md)




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