Letztes Update am Mo, 25.06.2018 10:58

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitszeit

AK-Umfrage: Zwei von drei müssen Überstunden machen

2017 wurde fast ein Fünftel der Überstunden nicht bezahlt. Die Lebenszufriedenheit sinkt mit der Zunahme der Arbeitszeit.

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Wien – Mehr als zwei Drittel der heimischen Beschäftigten haben im Zeitraum November 2016 bis Februar 2018 Überstunden machen müssen, ergab eine Sora-Umfrage für die AK Oberösterreich unter 7200 Personen. Das ist ungesund, sagt die Arbeiterkammer. Je länger die Menschen arbeiten, desto eher sind sie erschöpft und mit ihrem Leben unzufrieden. 2017 wurde fast ein Fünftel der Überstunden nicht bezahlt.

17 Prozent mussten im Erhebungszeitraum häufig Überstunden machen, 52 Prozent gelegentlich. Für 2017 kam auch die Statistik Austria zu einem ähnlichen Ergebnis: Demnach leisteten im Vorjahr mehr als 18 Prozent der Arbeitnehmer häufig Über- oder Mehrarbeitsstunden.

Die, die besonders viel arbeiten, finden das laut Sora gar nicht prickelnd. Von denen, die bei einer durchschnittlichen Wochenzeit von mehr als 40 Stunden häufig Überstunden leisten müssen, sagten 42 Prozent, dass sie Arbeit und Privatleben schlecht vereinbaren können. Die Hälfte dieser Gruppe ist mit der Arbeitszeit unzufrieden. Von denen, die wöchentlich weniger als 40 Stunden arbeiten, ist es „nur“ etwas mehr als ein Fünftel. Besonders unzufrieden mit langen Arbeitszeiten sind Frauen mit Kindern bis 15 Jahren.

Lebenszufriedenheit sinkt

Auch haben die häufigen Überstundenschieber einen größeren Zeitdruck, können nach der Arbeit schwerer abschalten und fühlen sich körperlich weniger leistungsfähig. Mehr als die Hälfte derer, die 60 Wochenstunden oder mehr arbeiten, fühlt sich physisch erschöpft. Von denen, die zwischen 48 und 59 Wochenstunden arbeiten, sind es fast 50 Prozent, von denen mit einer Wochenarbeitszeit von 35 bis 47 Stunden mehr als ein Drittel.

Die Lebenszufriedenheit sinkt mit der Zunahme der Arbeitszeit. Fast neun von zehn, die weniger als 40 Wochenstunden arbeiten, sind mit ihrem Leben zufrieden. Bei einer Wochenarbeitszeit von 40 bis 50 Stunden sinkt dieser Anteil auf 83 Prozent, bei 50 oder mehr Wochenstunden auf 77 Prozent. Auch die Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit nimmt mit den Stunden ab.

Mehr als drei Viertel derer, die mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, wollen ihre Arbeitszeit reduzieren, am häufigsten Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialbereich.

Von den rund 250 Mio. Über- und Mehrstunden, die die Österreicher 2017 leisten mussten, wurden laut AK-Angaben vom Montag 18,1 Prozent nicht abgegolten, weder in Geld noch in Form von Zeitausgleich. Damit sei den Arbeitnehmern in einem Jahr rund 1 Mrd. Euro vorenthalten worden - pro Kopf seien das im Schnitt rund 9.800 Euro. Die von der ÖVP/FPÖ-Regierung forcierte Arbeitszeitverlängerung lehnt die AK ab, wie sie erneut deponierte. (APA)