Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.07.2018


Arbeitsmarkt

„Vollbeschäftigung in Tirol möglich“

Industrie und Bau heizen Wirtschaftswachstum in Tirol derzeit an. Wirtschaftskammer spricht von Konjunkturgipfel, Fachkräftemangel nimmt zu.

© E+Vor allem die Industrie und der Bau in Tirol sprühen derzeit vor Optimismus. Auch der Handel zeigt sich gut gelaunt.Foto: iStock



Innsbruck – Die Auftragslage „blendend“, die erzielten Preise „sehr gut“. Die Laune unter Tirols Unternehmen könnte laut dem Konjunkturbarometer der Wirtschaftskammer kaum besser sein. Die Erwartungen für das kommende Quartal seien demnach über alle Branchen hinweg positiv. Der Geschäftsklimaindex stieg nun zum fünften Mal in Folge auf ein Allzeithoch von 68 %. Das bedeutet: Ihre derzeitige Lage und die Aussichten bewerten die Unternehmen so gut wie nie zuvor. „Wir sind am Gipfel dieser Entwicklung“, erklärt Stefan Garbislander von der Wirtschaftskammer, der Autor des Konjunkturbarometers, die Tiroler Wirtschaft werde heuer real um 3,0 bis 3,5 % und damit über dem österreichischen Schnitt wachsen. Leitbranche des aktuellen Konjunkturhochs sei die Industrie, wo 85 % der Betriebe mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden seien. Die Mehrheit der Unternehmen geht davon aus, dass die Auftragslage bis zum Herbst gut bleibt. Aber auch am Bau herrscht Jubelstimmung. 82 % der Bauunternehmen sprechen laut Kammer-Erhebung von einer guten Auftragslage. Auch der Handel profitiere von der Konsumlaune der Tiroler. Das Gewerbe dagegen zeigt sich etwas zurückhaltender.

Kurzfristig könnte Tirol Vollbeschäftigung erzielen, glaubt Tirols Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer. „Wir werden im Sommer drei Prozent Arbeitslosigkeit erreichen, was einer Vollbeschäftigung entspricht“, meint Bodenseer. Insgesamt planen mehr als ein Drittel der Leitbetriebe, ihren Mitarbeiterstand zu erhöhen, 4 % wollen ihn reduzieren. Das Problem des Fachkräftemangels nehme durch diese Entwicklung zu – nur 5 % der Betriebe sagen, die Situation habe sich verbessert. Als Konjunkturrisiken werden der US-Handelsstreit, die politische Lage in Italien und ein „heißer Herbst“ ausgemacht. Diesen haben die Arbeitnehmervertreter AK und ÖGB in Zusammenhang mit dem „Durchpeitschen“ des Arbeitszeitgesetzes – Stichwort 12-Stunden-Tag, 60-Stunden-Woche – angekündigt. (mas)