Letztes Update am Mi, 25.07.2018 12:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Postbus-KV sorgt für Wirbel in der Gewerkschaft

„Diese Änderung mit 1. Oktober stellt eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für alle Buslenkerinnen und Buslenker dar“, so Zentralbetriebsratsvorsitzender Wurm.

© Böhm(Symbolbild)



Wien – Der neue Kollektivvertrag für die nicht beamteten Buslenker lässt Postbus-Gewerkschafter Robert Wurm schäumen. Er wirft den Kollegen von der Verkehrsgewerkschaft vida vor, die Lenker „verraten und verkauft“ zu haben.

„Diese Änderung mit 1. Oktober stellt eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für alle Buslenkerinnen und Buslenker dar“, so Zentralbetriebsratsvorsitzender Wurm in einer Aussendung, in der er von einem „Schlag ins Gesicht“ für alle arbeitenden Menschen spricht.

Tägliche Arbeitszeit steigt auf zehn Stunden

Durch den neuen Kollektivvertrag werde die wöchentliche Arbeitszeit im Linienverkehr von derzeit 40 Stunden auf 50 Stunden erhöht. Die tägliche Arbeitszeit steige dabei auf von acht auf zehn Stunden. Zugleich würden dadurch künftig nicht mehr ab der 9. Arbeitsstunde, sondern erst ab der 11. Arbeitsstunde Überstundenzuschläge ausbezahlt, rechnet er vor.

Stimmt so nicht, kontert Ernst Gruber, Kollektivvertrags-Verhandler der vida. Man habe sich auf ein Gesamtpaket geeinigt, das zwar die Möglichkeit einer 50-Stunden-Woche vorsieht, über den Durchrechnungszeitraum bleibe es aber bei den 40 Stunden. In dieses Paket seien bisherige Zulagen – inklusive Draufgabe – reingepackt worden. Unterm Strich wurde so eine Gehaltserhöhung von rund elf Prozent erreicht, so Gruber zur APA.

Jeder „KV-Lenker“, also sprich alle nicht beamteten Fahrer der Postbusse, würden nun rund 1,30 Euro pro Stunde mehr verdienen. Beim 13. und 14. Monatsgehalt würde die neue Regelung ein Plus von jeweils rund 500 Euro bedeuten.

„Drei-Klassen-Gesellschaft“ beim Postbus

Hintergrund des Streites zwischen dem obersten Postbusgewerkschafter Wurm (FSG) und der ebenfalls FSG-dominierten vida ist die „Drei-Klassen-Gesellschaft“ beim Postbus. Von den rund 4000 Fahrern sind welche nach dem alten Beamtendienstrecht der Post angestellt, andere wiederum nach dem Beamtendienstrecht der ÖBB (die Bundesbahnen haben den Postbus von der Post übernommen, Anm.) und wiederum andere haben einen Kollektivvertrag, der dem der Busfahrer in der Privatwirtschaft entspricht.

In einer Betriebsvereinbarung für den Postbus wurde in der Vergangenheit festgehalten, dass auch die beamteten Lenker eine Zulagenerhöhung bekommen, wenn dies bei den „KV-Lenkern“ der Fall ist. Da diese Zulagen aber nun in den neuen Kollektivvertrag einfließen, gibt es ab 1. Oktober auch keine Zulagenerhöhung mehr für die beamteten Fahrer. Hierfür müsste eine eigene Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden, so Gruber. (APA)