Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.08.2018


Bezirk Kufstein

Firmen suchen Mitarbeiter

Im Bezirk Kufstein herrscht fast Vollbeschäftigung: 48.700 Menschen haben einen Job.

© Otter„80 Prozent der neuen Beschäftigungsverhältnisse werden innerhalb von zwei Jahren wieder gelöst", sagt Margit Exenberger 
(AMS-Leiterin).



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Rekordzahlen kann Margit Exenberger, Leiterin des Arbeitsmarkt­services (AMS) Kufstein, verkünden: „Wir haben einen Beschäftigungsrekord im Bezirk“, berichtet sie. Ein sehr guter Branchenmix, innovative Unternehmen und die boomende Konjunktur sorgen für das Hoch. „Derzeit sind 48.700 Menschen beschäftigt, das sind um 7700 mehr als noch im Jahre 2008“, erzählt Exenberger. Die Situation sorgt auch dafür, dass Arbeitssuchende, die es bislang schwer hatten, einen Platz zu finden, vermittelt werden können. „Zudem gab es eine Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung, eine gestiegene Erwerbstätigkeit der Frauen und Zuwanderung aus dem EU-Raum“, zählt Exenberger weitere Gründe für die positive Situation auf. Mit einer Arbeitslosenrate von 3,3 Prozent herrsche praktisch Volbeschäftigung.

Was die Arbeiternehmer freut, kann für die Firmen aber zu einem Problem werden: Die Wirtschaft sucht hände­ringend nach Mitarbeitern, dabei geht es gar nicht mehr nur um Facharbeiter, „die Arbeitskräftenachfrage zieht sich durch sämtliche Berufssparten und Qualifikationsniveaus“, wie Exenberger weiß. So sind 1270 Stellen bei dem AMS derzeit als offen gemeldet, dem stehen 1777 (gegenüber 2017 um 248 weniger) Jobsuchende gegenüber. Es sei trotzdem nicht möglich, jeden zu vermitteln, „wenn die Voraussetzungen fehlen“, sagt Exenberger. Um diese zu verbessern, sind derzeit 267 Personen in Schulung, übrigens um 107 weniger als noch im Juli 2017

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass mit 977 Vorgemerkten mehr Frauen als Männer (800) betroffen sind. Von den 1777 Arbeitslosen sind rund ein Drittel Nichtösterreicher (EU-Bürger und aus dem sonstigen Ausland). Was Menschen mit Asyl­status angeht, haben diese am Arbeitsmarkt aber eine sehr gute Chance, „nur müssen einige Voraussetzungen gegeben sein“, wie Exen­berger anmerkt . Besonders die Beherrschung der deutschen Sprache sei sehr wichtig.

Dem AMS wird trotzdem die Arbeit nicht ausgehen: „Der Arbeitsmarkt ist sehr dynamisch geworden. Rund 80 Prozent der neu aufgenommenen Beschäftigungsverhältnisse werden innerhalb von zwei Jahren wieder aufgelöst. Und es sind im Bezirk trotz der hervorragenden Konjunktur jährlich 12.707 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Aber 7400 finden innerhalb von drei Monaten wieder einen Job“, zeigt die AMS-Leiterin auf. Wesentlich sei aber auch, dass trotz der Sparpläne der Bundes­regierung das AMS auch weiterhin Schulungen finanzieren kann. Gerade die Qualifizierungsprogramme seien sehr wichtig.

Und wie die Zukunft zeigt, wird die Situation am Arbeitsmarkt nicht so bleiben: „Wir merken, dass die Zahl der offenen Stellen gegenüber 2017 rückläufig ist. Wir sind am Plafond“, so Exenberger.