Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.10.2018


Exklusiv

Offene Stellen zum Saisonstart: Tiroler Hoteliers ringen um jede Fachkraft

2469 Jobs in der Gastronomie sind zum Start der Winter­saison unbesetzt. Tirols Hoteliers ringen die nächsten Wochen um jede Fachkraft.

© iStockKöche braucht das Land – mit Ende Oktober sind in Tirol noch 582 Stellen nicht besetzt.



Innsbruck – „Alle Jahre wieder“, könnte man fast sagen, wenn man sich die offenen Jobs in Tirols Gastronomie ansieht: Mit Ende Oktober meldet das AMS Tirol für die Wintersaison 2469 Stellen zur Besetzung – darunter 857 Kellner und 582 Gaststättenköche bzw. -köchinnen. „Ja, es ist tatsächlich so, dass es sich vom Personalmangel her wie in den Jahren zuvor zum Saisonstart abspielt“, sagt dazu Mario Gerber, Fachgruppenobmann für die Hotellerie der Tiroler Wirtschaftskammer.

Noch seien es aber ein paar Wochen, bis der Start in die Saison erst so richtig in die Gänge komme, bis dorthin werde sich personell noch etwas tun, so Gerber. Alleine in Tirol bedroht der Fachkräftemangel 43 Prozent der bestehenden Jobs, warnen die heimischen Tourismusbetriebe seit Monaten.

Gleichzeitig versucht die Branche mit einem Image-Wandel und verschiedenen Maßnahmen – etwa durch familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle – gegenzusteuern: „Das Signal ist in der Tourismusbranche angekommen. Alle arbeiten daran, das Arbeiten in der Gastronomie attraktiver zu machen“, sagt Gerber. Und es liegt nicht nur am schlechten Image, dass Personal fehlt: Fakt ist, dass in absoluten Zahlen betrachtet in kaum einer anderen Branche die Beschäftigung so stark gewachsen ist wie im Bereich Beherbergung und Gastronomie: „Ein Grund für den Personalmangel ist, dass im Tourismus die Qualität über die Jahre kontinuierlich gewachsen ist, man bietet mehr Service und Dienstleistung an, man braucht deshalb auch mehr Personal“, so Gerber.

Die Zahl der beschäftigten österreichischen Staatsbürger im Tourismus ist seit Jahren rückläufig, dafür ist insbesondere die der ungarischen Arbeitskräfte im Tourismus seit dem Jahre 2011 stark angestiegen, diese macht mittlerweile mehr aus als die Zahl ostdeutscher Kräfte. Viele Arbeitgeber versuchen den Mangel durch Digitalisierung auszugleichen, was bei der Rezeption und im Reservierungsmanagement funktioniert, aber nicht in der Küche. Hier fehlt es – wie in vielen anderen Branchen auch – an Fachkräften. Dennoch sehen Tirols Hoteliers positiv in die neue Saison: „Die Stimmung ist gut und die Betriebe sind es gewohnt, dass sie sich um jede Kraft bemühen müssen. Es ist auch ein falsches Bild, wenn Gastro-Jobs ein schlechtes Image haben. Kein Betrieb kann einen Koch halten, wenn er nicht gut verdient“, sagt Alois Rainer, Tirols Wirtesprecher. Für ihn ist es u. a. ein demografisches Problem, dass junge Menschen fehlen. Er ist überzeugt, dass gesetzte Maßnahmen greifen werden: „Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist klar. Wer eine Heizung anschaltet, hat es auch nicht sofort warm.“ (lipi)




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