Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.11.2018


TT-Interview

Frauen im Job: „Den Wille zur Macht aktivieren“

Der „Wille zur Macht“ muss bei Frauen meist geweckt werden, sagt die Ökonomin Helena Fornwagner. Beginnen sollte das in der Schule.

© Foto TT / Rudy De MoorFornwagner forscht zum Unterschied zwischen Mann und Frau.Foto: De Moor



Warum stecken Frauen im Job oft zurück, bevor sie sich dem Wettbewerb mit Männern stellen?

Helena Fornwagner: Sie stecken nicht zurück, Frauen unterschätzen generell ihre Fähigkeiten, wohingegen Männer tendenziell ihre Fähigkeiten überschätzen. Anders gesagt: Frauen sind sich nicht bewusst, wie gut sie sind. Das führt zu unterschiedlichen Wettbewerbsbereitschaften von Frauen und Männern und folglich zu Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt.

Wie können Frauen dazu gebracht werden, „Macht" zu wollen?

Fornwagner: Ihr Wille zur Macht muss oft erst aktiviert werden. Wenn Frauen dann in Machtpositionen sind, agieren sie auch anders als Männer, zum Beispiel setzen Frauen mehr auf Kooperation, während Männer eher zu Wettbewerb neigen und mehr Risiken eingehen.

Wie wichtig sind Quoten, in Aufsichtsräten oder in Führungsetagen?

Fornwagner: Durch die Forschungen haben wir gesehen, dass Quoten ein sehr gutes Instrument sind, um Frauen in bessere Positionen zu bringen. Eine Quote ist außerdem gut, um Frauen dazu zu bringen, sich für bestimmte Jobs zu bewerben. Andererseits zeigt sich, dass diese Frauen häufig als Quotenfrauen abgestempelt werden, was auch unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringen kann. In unserer Studie evaluieren wir eine milde Intervention psychologischer Natur und gehen mit Power Priming auf beide Geschlechter ein. Das verändert auch das Verhalten von Männern.

Wie könnte das Selbstbewusstsein von Frauen gesteigert werden? Wie funktioniert Power Priming?

Fornwagner: Durch Feedback und weibliche Vorbilder könnte man negative Stereotypen vermeiden, um das Selbstbewusstsein von Frauen zu steigern. Eine andere Option ist eben Power Priming. Power Priming könnte zum Beispiel in Schulen vorgenommen werden oder in Ausbildungsprogrammen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Mit der Studie wollen wir einen Anstoß geben.

Das Gespräch führte Verena Langegger