Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Osttirol

ÖGB verlangt Respekt für Arbeitnehmer

© Blassnig Christoph



Die neue Tiroler Frauenvorsitzende Karin Brennsteiner und der ÖGB-Landesvorsitzende Philip Wohlgemuth waren zu einem Pressegespräch in Lienz. Mit dem Osttiroler Regionalvorsitzenden Willi Lackner war man sich einig: Der Umgang der Regierung mit den Sozialpartnern sei respektlos. „Die überfallsartig eingeführte 60-Stunden-Woche und der 12-Stunden-Arbeitstag sind familienfeindlich", befand Wohlgemuth. „Wenn man den Arbeitnehmern Zeit nimmt, nimmt man sie zugleich dem Ehrenamt und den Vereinen." Die Gesundheit der Arbeitnehmerschaft sollte deutlicher im Interesse der Wirtschaft sein, das Gegenteil davon ortet Wohlgemuth. „Die Abschaffung des Jugendvertrauensrates, Eingriffe in das Sozialversicherungssystem, massive Kürzungen in der AUVA, die Streichung der Aktion 20.000, die Aufhebung des Rauchverbotes — diese Angriffe schwächen durchwegs die Schwachen und stärken die Starken." Bildung und Beschäftigung seien dagegen Mittel, um bedrohte Teile der Bevölkerung vor Arbeitslosigkeit und Altersarmut nachhaltig zu schützen. Vollbeschäftigung setze flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen voraus. Am Land sei man davon weit entfernt, sagte der Landesvorsitzende.

Willi Lackner verwies auf die mit fünf Prozent bisher geringste Arbeitslosigkeit im Bezirk Lienz: „Sehr erfreulich." Das Lohnniveau dagegen sei weiterhin niedrig und biete wenig Anreiz. Eine weitere Dezentralisierung von öffentlichen Einrichtungen stärke die ländlichen Regionen, die Abziehung schade massiv. Noch seien im Bezirk keine Meldungen über missbräuchliche Arbeitsverträge durch den 12-Stunden-Tag bekannt geworden. „Ich setze auf die Vernunft unserer heimischen Betriebe und hoffe, dass keine Klagen kommen."

Die Frauenvorsitzende Karin Brennsteiner fordert schnelle Verbesserungen: „Wir brauchen dringend die Anrechnung von Kinderzeiten. Teilzeitarbeit führt zu Teilpensionen. Die Armut im Alter ist weiblich." Brennsteiner fordert Wahlfreiheit ohne Einschränkungen: Wer Kinder erzieht, dürfe keinen Nachteil daraus haben. (bcp)