Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.01.2019


Arbeitsmarkt

Kampf um Lehrlinge, ÖGB beklagt Image-Problem

Schon zu Jahresanfang beginnt der Kampf um die Schulabgänger. Tirols Gewerkschaftsjugend fordert höhere Lehrlingsentschädigung.

Noch immer konzentriert sich ein Großteil der Jugendlichen auf wenige Berufe.

© dmNoch immer konzentriert sich ein Großteil der Jugendlichen auf wenige Berufe.



Innsbruck – Seit Jahren befinden sich die Lehrlingszahlen im Sinkflug. Laut dem Arbeitsmarktservice Tirol stehen derzeit 1466 offenen Lehrstellen 424 Lehrstellensuchende gegenüber. Daher wundert es nicht, dass die Suche nach interessierten Schulabgängern bereits zu Jahresbeginn voll eingesetzt hat und besonders Großunternehmen schon jetzt mit ihren Kampagnen beginnen.

Einen Grund für das sinkende Interesse der Jugendlichen sieht Tirols Gewerkschaftsjugend-Vorsitzender Thomas Spiegl unter anderem in einer veritablen Imagekrise der Lehrausbildung. Dass viele Eltern eine Schulausbildung für ihre Kinder bevorzugen, sieht auch er als Problem. „Dabei blickt ganz Europa neidisch auf unser duales Ausbildungssystem“, betont Spiegl. Als Lösung fordert er eine deutliche Erhöhung der Lehrlingsentschädigung und leistbare Mobilität für die Auszubildenden.

Ein Unternehmen, das dies bereits umgesetzt hat, ist der Handelsriese Spar. Das Unternehmen sucht derzeit für 2019 österreichweit 900 Auszubildende in 21 verschiedenen Berufen. Im Kampf um die Schulabgänger bietet Spar unter anderem Überzahlung der Lehrlingsentschädigung, Prämien und einen Gratis-B-Führerschein an. In Tirol – hier bildet das Unternehmen aktuell 170 Lehrlinge aus – werden 60 neue Lehrlinge gesucht, so Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann.

Auch Konkurrent Rewe (Billa, Merkur, Penny, Bipa) startet ab sofort mit der Lehrlingssuche für das kommende Jahr. Neben 23 verschiedenen Lehrberufen bietet Rewe auch die Lehre mit Matura an. Rund 700 Ausbildungsplätze bietet der Handelskonzern, der in Tirol aktuell 80 Lehrlinge hat. „Zukunftssicher agieren bedeutet für uns auch, punktgenau die richtigen Lehrberufe auszubilden“, so Christoph Matschke, Vorstand der Rewe International AG.

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„Erfreulich in Hinblick auf den Fachkräftebedarf in Tirol ist hier, dass die Anzahl an jungen Menschen, die ‚Lehre mit Matura‘ als Ausbildungsform wählen oder eine Lehre nach der Matura machen, im Steigen begriffen ist“, meint AMS-Chef Anton Kern auf Anfrage der TT . Man werde aber auch 2019 wieder verstärkt auf kostenlose Berufsberatung setzen. Dies sei umso wichtiger, da sich ein Großteil der lehrstellensuchenden Jugendlichen immer noch auf wenige Berufe konzentrieren würde.

Auf einen weiteren Ausbau der Lehrlingsausbildung setzen auch die ÖBB. Das größte Projekt ist dabei die Erweiterung der Lehrwerkstätte in Innsbruck. Die Gesamt­investitionskosten belaufen sich auf rund 10 Mio. Euro. Aktuell sind von den 126 Lehrlingen in der ÖBB-Lehrwerkstätte Innsbruck acht weibliche Lehrlinge in einer technischen Lehre (Maschinenbautechnik, Elektrotechnik und Elektronik) und drei weibliche Lehrlinge werden als Bürokauffrau ausgebildet. Pro Jahr nehmen die ÖBB laut Unternehmenssprecher Christoph Gasser-Mair 500 Lehrlinge in 22 Lehrberufen auf, in Tirol seien es rund 35 pro Jahr. (hu)