Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.02.2019


Arbeitsmarkt

AMS rechnet heuer mit 6000 neuen Jobs in Tirol

Jeder Siebente in Tirol war im Vorjahr zumindest kurzzeitig arbeitslos, viele aber mit Einstellzusage. Arbeitslosigkeit soll heuer auf 4,6 % sinken.

Knapp 76.000 Menschen wurden in Tirol im vergangenen Jahr zumindest zwischenzeitlich arbeitslos.

© APAKnapp 76.000 Menschen wurden in Tirol im vergangenen Jahr zumindest zwischenzeitlich arbeitslos.



Von Max Strozzi

Innsbruck – „Arbeitslosigkeit ist ein Teil der Gesellschaft und kein Phänomen von Randgruppen – auch in Zeiten der Hochkonjunktur.“ Das betonte gestern Johannes Schranz, Statistikexperte des AMS Tirol, bei der Präsentation der Arbeitsmarkt-Bilanz. So waren im Vorjahr im Jahresdurchschnitt zwar „nur“ 17.512 Personen als arbeitslos gemeldet, und die Arbeitslosenquote war mit 4,9 Prozent so niedrig wie schon lange nicht mehr. Doch die Dimension dahinter ist wesentlich größer. „Die Durchschnittszahlen täuschen oftmals darüber hinweg, dass viele Menschen mehrmals von Arbeitslosigkeit betroffen sind“, betonte gestern Tirols AMS-Chef Anton Kern.

So wurden im Vorjahr mehr als 76.000 Menschen in Tirol zumindest kurzzeitig arbeitslos. „Bei rund 508.000 Personen im erwerbsfähigen Alter war somit fast jede siebente Person in Tirol von Arbeitslosigkeit betroffen“, erklärt Kern. Manche davon auch mehrmals, sodass das AMS Tirol insgesamt fast 93.000 Fälle von Arbeitslosigkeit registrierte, gleichzeitig aber auch rund 100.000 Fälle, die wieder einen Job fanden. „Diese Dynamik zeigt, welche Dienstleistung das AMS erbringt“, so Kern.

Knapp die Hälfte der 93.000 Fälle von Arbeitslosigkeit betraf Saisonbranchen wie Bau oder Tourismus. „Der Tourismus schafft viel Beschäftigung, löst aber auch viel Arbeitslosigkeit aus“, sagt AMS-Ökonom Schranz. 36.000 Personen, die im Vorjahr als arbeitslos gemeldet waren, hatten bereits eine Wiedereinstellzusage ihres Arbeitgebers in der Tasche, wurden also nur vorübergehend beim AMS „geparkt“. Aufgabe des AMS sei es auch, die saisonale Arbeitslosigkeit kurz zu halten – „Maximum drei Monate“, meint Kern. Für die Saison-Arbeitslosigkeit im Tourismus bedeutet das diesbezüglich: „Ab Weihnachten ist es aus, da ist Hochsaison“, so Kern.

Für dieses Jahr rechnet der AMS-Chef am Tiroler Arbeitsmarkt mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote auf ein Rekordtief von 4,6 Prozent. Gleichzeitig soll die Zahl der Beschäftigten um 1,8 % steigen – das würde rund 6000 neue Jobs und insgesamt 345.000 Beschäftigte in Tirol bedeuten. Setzt sich der Trend der vergangenen 16 Jahre fort, bedeutet das auch, dass mindestens jeder fünfte neue Job von einem Nicht-Österreicher besetzt wird bzw. besetzt werden muss, weil hier die entsprechenden Arbeitskräfte fehlen. Kern: „Die Nachfrage nach Fachkräften und Lehrlingen wird uns auch weiterhin beschäftigen.“

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