Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.02.2019


Bezirk Landeck

Im Tourismusbezirk Landeck sind bis zu 500 Jobs zu haben

In der gewerblichen Wirtschaft ist die Mitarbeiter-Nachfrage deutlich gestiegen. Öffentlicher Dienst „saugt“ derzeit viele junge Leute ab.

„Wir nutzen alle Kanäle, um die in der Privatwirtschaft benötigten Mitarbeiter vermitteln zu können.“ Günther Stürz 
(Leiter AMS Landeck)

© Wenzel„Wir nutzen alle Kanäle, um die in der Privatwirtschaft benötigten Mitarbeiter vermitteln zu können.“ Günther Stürz 
(Leiter AMS Landeck)



Von Helmut Wenzel

Landeck – Aus der Innstraße, Standort der Landecker AMS-Geschäftsstelle, kommen weiterhin gute Nachrichten: Nach der seit 30 Jahren niedrigsten Arbeitslosenrate (7,6 Prozent im Jahresschnitt 2018) ist auch der Jänner 2019 gut gelaufen: 8,2 Prozent weniger Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr bedeuten den tirolweit drittbesten Wert nach Lienz und Kitzbühel.

Aufgefallen ist die deutlich gestiegene Mitarbeiter-Nachfrage. Mit Stichtag 31. Jänner waren 496 offene (sofort verfügbare) Stellen gemeldet, 102 mehr als noch vor einem Jahr. Dazu kommt noch ein­e Dunkelziffer, weil Dienst­geber nicht alle offenen Jobs melden bzw. auf eigene Faust Mitarbeiter suchen.

Die hohe Nachfrage kommt nicht nur aus dem Tourismus. „Zusätzliche Mitarbeiter werden in fast allen Branchen benötigt, etwa im Bau- und Baunebengewerbe“, weiß AMS-Leiter Günther Stürz. Eine Ursache sieht er in der Jobnachfrage im öffentlichen Dienst. ÖBB und Polizei etwa würden – aufgrund gelockerter Aufnahmekriterien – viele junge Leute „absaugen“.

Das AMS nutze jedenfalls „alle Kanäle, speziell das Internet und neue Medien, um der Privatwirtschaft die benötigten Mitarbeiter vermitteln zu können“, hob Stürz hervor. Nicht unbedingt ein Vorteil für die gewerbliche Wirtschaft sei „die hohe Dynamik der jungen Leute“, die oft den Job wechseln würden.

Das inzwischen auf 54 Kontingente geschrumpfte Potenzial an Saisoniers habe man für den Bezirk voll ausgeschöpft, weitere Saisoniers würden nicht mehr bewilligt. Offene Stellen habe man „überdurchschnittlich oft“ mit kroatischen Mitarbeitern besetzen können.

Mit der insgesamt positiven Arbeitsmarkt-Entwicklung im Tourismusbezirk hat sich auch die AK Tirol befasst. Zum 3. Quartal 2018 stellen die Autoren des Magazins WISO fest: Im Vergleich zum Vorjahr gebe es 502 Beschäftigungsverhältnisse mehr. Womit die Zahl der unselbstständig Beschäftigten auf 20.654 geklettert sei. (Der Bezirk zählt rund 44.000 Einwohner.) 3739 Beschäftigte waren ausländische Staatsbürger. Der Anteil liege bei 18 Prozent, ein Prozent weniger als im tirolweiten Durchschnitt.

Der Rückgang der Arbeitslosenrate um 17,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr könn­e nicht darüber hinwegtäuschen, dass Frauen weit stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind als Männer: Bei 990 Personen, die im 3. Quartal arbeitslos waren, handle es sich um 638 Frauen, was einen Zwei-Drittel-Anteil bedeute. Ein Blick auf die Situation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigt ebenfalls Nachteile für die Frauen: Während die Zahl der arbeitslosen jungen Fraue­n leicht gestiegen ist, gab es mehr als 25 Prozent weniger Arbeitslosigkeit in der Grupp­e der jungen Männer.