Letztes Update am Mi, 13.02.2019 13:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kollektivverträge

Sozialwirtschaft: Kritik an Hartinger-Klein, Streiks gehen weiter

Die am Dienstag aufgenommenen Warnstreiks in rund 75 Betrieben an 150 Standorten dauern noch bis zum morgigen Donnerstag an.

Eine Kundgebung im Rahmen des Aktionstages der Gewerkschaft vida und GPA-djp am Dienstag, 29. Jänner.

© APAEine Kundgebung im Rahmen des Aktionstages der Gewerkschaft vida und GPA-djp am Dienstag, 29. Jänner.



Wien – Während die Warnstreiks in der Sozialwirtschaft am Mittwoch fortgesetzt wurden, haben die Gewerkschaften einen Konflikt mit Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) ausgetragen. Anlass dafür war die Aufforderung der Ministerin an die Verhandlungspartner, sich aufeinander zuzubewegen. Die Gewerkschaften forderten von Hartinger-Klein daraufhin Taten statt leerer Worte.

Wenn Hartinger-Klein ihr Interesse an den Kollektivvertragsverhandlungen ernst meine, „dann soll sie für eine Ausfinanzierung der Pflege sorgen“, sagten die Chefverhandler der Gewerkschaften GPA-djp und vida, Reinhard Bödenauer und Michaela Guglberger, in einer Aussendung. „Bewegung braucht es vor allem auch von der Politik“, meinten die beiden Gewerkschafter. „Leere Worte sind ein Hohn für die Beschäftigten. Die Ministerin ist aufgerufen, dafür zu sorgen, dass den Trägern ausreichend Geld zur Verfügung steht und dass die Pflegefinanzierung langfristig sichergestellt ist.“

Streiks noch bis Donnerstag

Die am Dienstag aufgenommenen Warnstreiks in rund 75 Betrieben an 150 Standorten dauern noch bis zum morgigen Donnerstag an. Neben zahlreichen kleineren Organisationen sind von den Warnstreiks auch Teile der SPÖ-nahen Volkshilfe, des ÖVP-nahen Hilfswerks, der Lebenshilfe sowie des „Kuratoriums Wiener Pensionistenwohnhäuser“ betroffen. Außerdem werden in zahlreichen Betriebsversammlungen neue Streiks beschlossen. Die Gewerkschaft versicherte zwar, dass Betreuung und Pflege garantiert seien und kein Klient zu Schaden kommen werde. Allerdings wurden Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen.

Jugendhilfe gegen Arbeitszeitverkürzung

Unterdessen hat sich ein Bereich der Sozialwirtschaft von einer wesentlichen Forderung der Gewerkschaft in den Kollektivvertragsverhandlungen distanziert. Der Dachverband der Österreichischen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ) mit 13.000 Mitarbeitern, die in der Jugendhilfe tätig sind, spricht sich gegen die von der Gewerkschaft geforderte 35-Stunden-Woche aus.

Leidtragende einer Arbeitszeitverkürzung wären die Kinder und Jugendlichen, da sie sich auf noch mehr Bezugspersonen einstellen und einen noch häufigeren Beziehungswechsel erdulden müssten, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung. (APA)