Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.06.2019


Bezirk Reutte

Großes Wetteifern um neue Lehrlinge im Außerfern

Das Angebot an Lehrstellen ist im Bezirk größer als die Nachfrage. Die Leitbetriebe saugen den Markt leer und machen es kleineren Mitbewerbern schwer, Lehrlinge zu finden. Das Berufsfestival schafft ihnen eine Bühne.

Ob Mediendesigner ...

© TscholOb Mediendesigner ...



Von Simone Tschol

Außerfern – Die positiven Wirtschaftsdaten sorgen im Außerfern nicht nur für volle Auftragsbücher bei den Betrieben, sondern auch für eine entspannte Arbeitsmarktsituation. In einer besonders komfortablen Ausgangslage befinden sich jene Schulabgänger, die eine Lehre beginnen wollen. Sie haben die sprichwörtliche Qual der Wahl, denn noch immer gibt es im Bezirk wesentlich mehr offene Lehrstellen als Bewerber.

Während weiterführende Schulen und Lehrbetriebe schon vor Jahrzehnten um die Gunst der Jugendlichen gebuhlt haben, befinden sich längst auch die Ausbildungsbetriebe untereinander in einem regelrechten Wettstreit um die Teenager.

... oder Matelltechniker – das Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten war auch heuer wieder breit gefächert.
... oder Matelltechniker – das Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten war auch heuer wieder breit gefächert.
- Tschol

„Aktuell bilden 136 Betriebe insgesamt 627 Lehrlinge aus“, weiß Simon Volderauer, stellvertretender Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Reutte, und fügt hinzu: „Rund 40 Prozent eines Jahrganges entscheiden sich im Außerfern für eine Lehre.“

„Beim Berufsfestival habe ich das Hotel Jungbrunn kennen gelernt und erste Kontakte geknüpft", so Martin Frischauf
 (Kochlehrling).
„Beim Berufsfestival habe ich das Hotel Jungbrunn kennen gelernt und erste Kontakte geknüpft", so Martin Frischauf
 (Kochlehrling).
- Tschol

Während große Leitbetriebe wie Plansee, Multivac oder die EWR vergleichsweise leichtes Spiel haben, neue Lehrlinge zu finden, tun sich Klein- und Mittelbetriebe im Bereich Handwerk, Gewerbe und Tourismus umso schwerer. Genau hier setzt das Berufsfestival der Wirtschaftskammer Reutte an. Unter dem Titel „14 Jahre – was nun?“ wird alljährlich Schülern der 3. Klassen der NMS und des Gymnasiums das Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten im Bezirk aufgezeigt. Allein heuer strömten 307 13-Jährige durch die Kammer und informierten sich über das Angebot an Lehrberufen – vom Chemielaboranten über Maurer und Metalltechniker bis hin zum Mediendesigner. Volderauer: „Früher waren die Betriebe eher skeptisch, mitzumachen. Heute sind sie gerne mit dabei, reklamieren sich geradezu hinein. Wir haben heuer 24 Aussteller, das ist neuer Rekord. So viele waren es noch nie. Wenn es rein nach den Anfragen ginge, wären es 50. Aber unser Platz ist begrenzt und das Angebot soll ja durchmischt sein.“ Der große Andrang veranschaulicht deutlich, dass der Kampf um die Lehrlinge immer härter wird. Nicht mit dabei waren heuer Plansee und die EWR. Dafür wurden wieder klassische Berufe wie Maler oder Friseur vorgestellt. „Es gibt im Bezirk ja nicht nur Metallbauer und Elektriker. Auch kleine Betriebe sollen hier eine Bühne bekommen“, erklärt WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler, der sich auch über erfolgreiche „Vermittlungen“ freut. Denn dass ein Auftritt beim Berufsfestival für die Betriebe durchaus erfolgreich verlaufen kann, beweist Martin Frischauf aus Höfen, der sich am Mittwoch beim diesjährigen Berufsfestival in die Menge mischte. Er erinnert sich: „Die Idee, Koch zu werden, hatte ich schon vorher. Beim Berufsfestival habe ich dann das Hotel Jungbrunn als Ausbildungsbetrieb kennen gelernt, erste Kontakte wurden geknüpft. Ich habe dann dort ein Praktikum gemacht und anschließend die Lehre begonnen.“ Inzwischen ist Frischauf, der vom Land Tirol zum Lehrling des Monats Jänner gekürt wurde, im zweiten Lehrjahr und rundum zufrieden: „Ich habe den Schritt noch nie bereut.“