Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.08.2019


Arbeitsmarkt

„Betriebe im Bezirk Schwaz suchen händeringend nach Leuten“

Den Betrieben mangelt es an Arbeitskräften und der Verkehr legt alles lahm – diese zwei Baustellen will die WK Schwaz angehen.

WK-Bezirksobfrau Martina Entner und WK-Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher sehen die Lage im Wirtschaftsstandort positiv.

© FankhauserWK-Bezirksobfrau Martina Entner und WK-Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher sehen die Lage im Wirtschaftsstandort positiv.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Der Wirtschaftsmotor brummt im Bezirk Schwaz. Obwohl die internationale Konjunktur an Schwung verliert und das Exportwachstum schwindet, befindet sich die Wirtschaft im Bezirk weiterhin im „moderaten Wachstum“ – darüber sind sich WK-Bezirksobfrau Martina Entner und WK-Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher einig.

Die Arbeitslosenquote liegt so tief wie noch nie. Mit Stichtag 31. Juli waren nur 2,7 Prozent arbeitslos gemeldet. Das bedeutet für die Betriebe aber auch, dass die Suche nach Angestellten nicht leichter wird. „Etwa zwei Drittel aller Unternehmer im Bezirk sehen den Fachkräfte- und mittlerweile Arbeitskräftemangel als größte Herausforderung an“, sagt Entner. Teils müssten Betriebe schon Aufträge absagen, da sie nicht genügend Arbeiter zur Verfügung haben. „Das bremst das Wirtschaftswachstum und Spitzenzeiten können nicht immer abgedeckt werden“, erklärt Entner. Derzeit würden rund 1000 Arbeitskräfte im Bezirk fehlen. „Und das bezieht sich auf alle möglichen Branchen, nicht nur auf den Tourismus“, betont sie.

Übers Jahr gerechnet erreichte der Bezirk 2018 eine Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent. Das ist seit dem Jahr 2000 der niedrigste Stand. Erfreulich und zugleich erschreckend. „Viele Betriebe im Bezirk suchen händeringend nach Leuten“, sagt Bletzacher. Ohne Zuzug – laut Bletzacher rund 500 Personen pro Jahr im Bezirk – und helfenden Händen aus dem Ausland wäre der Betrieb für viele Unternehmer nicht mehr stemmbar. „Vor allem die großen Unternehmen würden gern ausbauen, aber das geht ohne Arbeitskräfte nicht. Von Innio, Adler Lacke bis Tyrolit – alle suchen Leute“, sagt Bletzacher.

Ein Problem, das den Bezirk wohl noch länger begleiten werde. Aber auch eines, das man versuchen wolle, forcierter anzugehen. Die WK Schwaz lädt daher am 23. Oktober von 14.30 bis 17 Uhr zu einer Diskussionsrunde ein. Dabei können alle interessierten Unternehmer über das Thema „Arbeitsmarktsituation im Bezirk Schwaz – brauchen wir einen Masterplan für Arbeitskräfte?“ mit Experten debattieren.

Ein weiteres großes Thema ist im Bezirk der Verkehr. Tagein, tagaus stehen Touristen, Pendler, Transitlenker oder auch Schüler im Stau. Alles steht. In Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement Schwaz-Achental, aller Tourismusverbände und dem Planungsverband Zillertal soll ein gesamtheitliches Verkehrskonzept erstellt werden. „Es sollen nun Verkehrsstrom­analysen gemacht werden, um herauszufinden, wie viel Transit-, Berufs- oder Schulverkehr ausmachen. In einem seien sich alle einig: Laufende Projekte (Umfahrung Fügen, Parkdeck Jenbach, Autobahnzubringer Wiesing, etc.) sollen umgesetzt werden. Aber das seien laut Bletzacher nur punktuelle Maßnahmen, es brauche dringend ein ganzheitliches, übergreifendes Konzept. Vor allem hofft man, mittels Regionalmanagement EU-Mittel ab 2020/21 abstauben zu können. Die Verkehrsteilnehmer müssen sich daher aber wohl noch einige Zeit in Geduld üben.

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