Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.08.2019


Forum Alpbach

Werkverträge und Co. prägen die neue Arbeitswelt

Flexibler, aber auch unsicher: Die Digitalisierung verändert nicht nur den Alltag der Menschen, sondern auch die bekannte Arbeitswelt.

Alternative Beschäftigungsverhältnisse abseits von Fixanstellungen sind laut Umfrage der Beratungsfirma Deloitte auf dem Vormarsch.

© dpa-ZentralbildAlternative Beschäftigungsverhältnisse abseits von Fixanstellungen sind laut Umfrage der Beratungsfirma Deloitte auf dem Vormarsch.



Wien, Alpbach – Laut einer Umfrage von Deloitte verändert sich die Arbeitswelt drastisch, herkömmliche Arbeitsverhältnisse werden für österreichische Unternehmen immer unwichtiger. Der Trend gehe in Richtung Werkverträge und freie Arbeitnehmer – aber auch neue Ansätze und Ideen seien gefragt. Demnach rechnen 83 Prozent der 200 befragten Unternehmen mit der Zunahme von alternativen Beschäftigungsverhältnissen. In 47 Prozent wird bereits mit alternativen Arbeitsformen gewerkt.

„Arbeit wird immer flexibler und Beschäftigungsformen verändern sich“, sagte Elisa Aichinger, Director bei Deloitte Österreich beim Europäischen Forum Alpbach. „Bei genauem Hinsehen zeigt sich: Der Großteil setzt dabei auf klassische Alternativen wie die Kooperation mit anderen Organisationen, Leiharbeitskräfte oder Werkvertragsnehmer.“

Gig Work (Aufträge werden zumeist über Online-Plattformen kurzfristig an externe Personen vergeben) und Crowdsourcing (die Auslagerung von tendenziell kleineren Aufgaben an eine ganze Gruppe freiwilliger User – meist über das Internet) seien hierzulande aber noch weniger bekannt und werden selten angewendet. Auch hielten viele Befragte den Einsatz alternativer Arbeitsmodelle für nicht branchenüblich, so Aichinger. „Heimische Unternehmen orientieren sich in vielen Fragen stark am direkten Mitbewerb. Für innovative Konzepte ist das aber nicht zuträglich.“ Laut der Arbeiterkammer (AK) beschreibt der Begriff „Gig Economy“ eine Wirtschaftsform, die auf kurzfristigen Verträgen basiert. Man wird pro „Gig“, also pro Auftrag, bezahlt. Reich werde man damit nicht, stellte die AK einmal in einer Studie fest. Auch würden die wenigsten nur davon leben (können).

Rechtliche Rahmenbedingungen verhindern zudem eine stärkere Ausbreitung, so Deloitte. „Arbeitsbeziehungen sind in Zukunft nicht mehr eindimensional, denn die junge Generation hat schlichtweg andere Bedürfnisse“, so die Deloitte Expertin. Laut Aichinger müssten Gesetze angepasst werden, um Freiheit und Flexibilität sowie Stabilität und Sicherheit für beide Seiten zu ermöglichen. Das dürfte die Arbeiterkammer anders sehen. Aber auch die Unternehmen sorgen sich aufgrund der alternativen Arbeitsformen vor einem möglichen Wissens- und Kompetenzverlust (53 Prozent). (APA)