Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.09.2019


Arbeitsmarkt

Roda Müller-Wieland: „Arbeit ist immer im Wandel“

Roda Müller-Wieland vom Fraunhofer-Institut thematisierte unterschiedliche Arbeitszeit- und Schichtmodelle.

Bis sich die Digitalisierung tatsächlich etwa auf Pflegejobs auswirkt, könnte es noch dauern.

© iStockphotoBis sich die Digitalisierung tatsächlich etwa auf Pflegejobs auswirkt, könnte es noch dauern.



Innsbruck – Arbeit sei historisch gesehen ständig im Wandel, erklärt Roda Müller-Wieland. Sie forscht für das Fraunhofer-Institut zu den Themen Unternehmenskultur und Transformation. Dieser Wandel vollziehe sich aber heutzutage schneller. „Wie sich Arbeit in Zukunft jedoch konkret verändern wird, ist noch ungewiss“, sagt Müller-Wieland. Eines sei aber wichtig: „Die Möglichkeit zu haben, die Arbeitswelt zu gestalten.“

Die Politik sollte, so die Forscherin, daher die notwendigen Rahmenbedingungen und Dialog-Formate schaffen, damit die Gesellschaft und Wirtschaft ihren Bedarf und Anspruch an die Arbeitswelt formulieren könnten. Viele Profile und Aufgabengebiete sowie die Inhalte, Prozesse und Strukturen würden sich zudem durch die Digitalisierung grundlegend wandeln. Lebenslanges Lernen gewinne in vielen Branchen dadurch an Dringlichkeit. Kritik übt Müller-Wieland an den Bedingungen für Mitarbeiter. Denn oft sei ein Lernprozess zwar gefragt, es gebe aber kaum Interesse. Angebote seien entweder zu aufwändig oder zu teuer oder passen nicht zur Tätigkeit. Müller-Wieland wünscht sich mehr Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, um die notwendigen Voraussetzungen für eine umfassende Weiterbildungskultur zu schaffen.

Unternehmen und Organisationen empfiehlt die Forscherin, zu analysieren, welche Arbeitsmodelle sich für die Tätigkeiten und Geschäftszeiten eignen und somit infrage kommen. „Es gibt keine ,One fits it all‘-Lösung, die alle Organisationen pauschal nutzen sollten.“

Als Erfolgsfaktor für das erfolgreiche Etablieren neuer Modelle empfehle sich jedoch eine Vertrauenskultur. Einführungs- und Veränderungsprozesse sollten stets kulturell begleitet werden, damit die Modelle nachhaltig akzeptiert und verankert werden. Heißt es beispielsweise, dass die Beschäftigten den Beginn und das Ende ihrer Arbeitszeit frei festlegen dürfen, die Führungskraft aber klar verdeutlicht, dass sie erwartet, dass die Mitarbeitenden bis mindestens 18 Uhr im Büro sein sollten, wird sich das flexible Modell nicht durchsetzen. Ob es wirklich „weniger Arbeit“ für alle geben wird, sei ebenfalls noch unklar. Der Wandel der Arbeit vollziehe sich zwar verhältnismäßig schneller, jedoch breite er sich nur langsam flächendeckend aus. „Bis Technologien erfolgreich implementiert sind und wirklich die Tätigkeiten von Einzelpersonen übernehmen können, kann noch etwas Zeit verstreichen“, sagt Müller-Wieland. Außerdem entstehen auch viele neue Tätigkeiten und somit Jobs. (ver)