Letztes Update am Di, 17.09.2019 17:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Jobchancen von Arbeitslosen: Start für umstrittenen AMS-Algorithmus

Der Verwaltungsrat des Arbeitsmarktservice beschloss die Einführung des AMS-Algorithmus. Die Arbeitnehmer enthielten sich der Stimme. Mitte 2020 soll das System österreichweit eingeführt sein.

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© Thomas Boehm / TTSymbolfoto



Wien – Der Verwaltungsrat des Arbeitsmarktservice (AMS) hat am Dienstag grünes Licht für die Einführung eines Algorithmus zur Ermittlung der Arbeitsmarktchancen von Arbeitslosen gegeben. Die Arbeitnehmervertreter enthielten sich der Stimme. Mitte 2020 werde das System österreichweit eingeführt sein, sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf zur APA.

Die Ergebnisse des Algorithmus werden von den AMS-Beratern künftig als Entscheidungsgrundlage für Fördermaßnahmen verwendet. Derzeit läuft das System im Testbetrieb. Im Frühjahr hatte es Kritik an dem Algorithmus geben, unter anderem von der Volksanwaltschaft. Man habe „im Verwaltungsrat viele Bedenken ausräumen können“, so Kopf. Mit der Gleichbehandlungsanwaltschaft und der Volksanwaltschaft sei man in regem Austausch gewesen. Laut dem AMS-Chef gibt es derzeit bei der Arbeitslosenförderung ohne Algorithmus eine starke Segmentierung nach Altersgruppen.

Drei Kategorien

Mit dem neuen Programm will die staatliche Jobagentur effizienter werden. Das AMS will mit der Einteilung von arbeitslosen Menschen in drei Kategorien mit hohen, mittleren und niedrigen Arbeitsmarktchancen via Computer-Algorithmus die Vergabe von Fördermaßnahmen effizienter machen. Am meisten Förderung sollen künftig Arbeitslose mit mittleren Arbeitsmarktchancen bekommen. Die Idee dahinter: Menschen mit hervorragenden Chancen brauchen keine Förderung, weil sie selbst wieder Arbeit finden würden. Dafür soll der Fokus auf Menschen mit mittlerer Perspektive gerichtet werden, weil hier erwartet wird, dass jeder investierte Euro am meisten bewirkt. Der Berater trifft aber weiterhin die Letztentscheidung über die Arbeitslosenförderung, etwa ob jemand eine teure Facharbeiterausbildung bekommt oder nicht.

Bei Menschen mit schlechten Jobaussichten soll künftig anders gefördert werden. Für diese Gruppe kommen nicht mehr alle Instrumente infrage, etwa die vom AMS finanzierten Facharbeiterintensivausbildungen oder die Beschäftigung in sozialökonomischen Betrieben. Künftig will die Jobagentur für Menschen mit einer schlechten Perspektive vor allem auf niederschwellige Betreuungsangebote setzen. Die Betroffenen sollen in Sozialzentren, die von AMS-Partnern betrieben werden, betreut werden, dort solle es Angebote für gemeinsames Bewegen, Musizieren sowie Sozialtreffs geben. Für Diejenigen, die in diesen Beratungszentren unterkommen, gilt auch das typische Zwangssystem des Arbeitsmarktservice nicht mehr.

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Gleiches Förderbudget wie 2018

Den Vorwurf der Frauendiskriminierung durch den Algorithmus lässt Kopf nicht gelten. Durch das neue System würden Frauen stärker gefördert als derzeit. Auch Jugendliche würden nicht in die Kategorie mit niedrigen Arbeitsmarktchancen eingeteilt werden. Der Algorithmus umfasst außerdem nicht begünstigte Behinderte.

Im Sommer hat das AMS vom Finanzministerium und dem Sozialministerium die Zusage bekommen, dass es mit dem nahezu gleichen Förderbudget wie 2018 rechnen kann. Im Vorjahr lag es bei 1,25 Milliarden Euro. Man sei der Übergangsregierung dafür „sehr dankbar“, so der AMS-Chef. (APA, TT.com)