Letztes Update am Mo, 23.09.2019 12:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kollektivvertrag

Gewerkschaften fordern 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt

Das Forderungsprogramm der PRO-GE und GPA-djp umfasst auch einen Anspruch auf die Vier-Tage-Woche und das leichtere Erreichen der 6. Urlaubswoche.

Der Chefverhandler der Arbeitgeber, Johannes Collini, Karl Dürtscher (GPA-djp) und Gewerkschafter Rainer Wimmer (Pro-GE) anässlich der Übergabe der Forderungen der Gewerkschaften an die Industrie am Montag.

© APADer Chefverhandler der Arbeitgeber, Johannes Collini, Karl Dürtscher (GPA-djp) und Gewerkschafter Rainer Wimmer (Pro-GE) anässlich der Übergabe der Forderungen der Gewerkschaften an die Industrie am Montag.



Wien – Das Verhandlungsteam der Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp hat am 23. September 2019 das kollektivvertragliche Forderungsproramm für die Metallindustrie den Arbeitgebern überreicht. Die Gewerkschaften fordern Lohn- und Gehaltserhöhungen von 4,5 Prozent bzw. einen Mindestbetrag von 100 Euro für die rund 195.000 Beschäftigten. Die Gewerkschafter verwiesen am Montag einmal mehr auf die hervorragenden Ergebnisse der Metallindustrie. „Jetzt müssen die Arbeitnehmer mit kräftigen Lohnerhöhungen davon profitieren. Es muss rascheln“, sagen die beiden Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp).

Aus der Sicht der Gewerkschaften gibt es genug zu verteilen. Die Gewinnausschüttungen sind auf einem absoluten Rekordhoch. Mehr als zwei Milliarden Euro, also 90 Prozent des erzielten Jahresüberschuss wurden laut einer aktuellen Branchenanalyse der Arbeiterkammer 2018 an die Eigentümer ausgeschüttet.

Vier-Tage-Woche und mehr Urlaub

Das Wirtschaftswachstum wird heuer laut derzeitiger Prognose (Wifo) bei 1,7 Prozent liegen und vor allem durch die guten Lohn- und Gehaltserhöhungen der vergangenen Jahre gestärkt. Die für die Verhandlungen relevante Inflation liegt bei 1,8 Prozent. Aber da gerade niedrige Einkommen stärker von den Preissteigerungen wie etwa bei den Mieten betroffen sind, sollen diese heuer erneut besonders berücksichtigt werden. Darum fordern die Gewerkschaften neben einer prozentuellen Erhöhung auch einen Mindestbetrag.

Neben den Lohn- und Gehalterhöhungen sind wichtige rahmenrechtliche Forderungen auf dem gewerkschaftlichen Programm zu finden. Dabei geht es unter anderem um einen Anspruch für die Beschäftigten, die sich für eine 4-Tage-Woche entscheiden zu können und um die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche durch eine verbesserte Anrechnung von Vordienstzeiten.

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Ebenso sollen Arbeitnehmer künftig die Möglichkeit haben, Geld- in Zeitansprüche umzuwandeln. Dies betrifft etwa Jubiläumsgelder. Für Lehrlinge soll es neben höheren Lehrlingsentschädigungen auch künftig einen Kostenersatz für notwendige Berufsschulmaterialien und Lehrmittel geben.

„Viel zu hoch und realitätsfremd“

Die Arbeitgeber haben die gewerkschaftliche Forderung als „realitätsfremd“ zurückgewiesen. Wenn man sich die Unternehmen ansehe, sei dies „viel zu hoch“, sagte der Obmann des WKÖ-Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), Christian Knill, nach dem ersten Zusammentreffen mit der Gewerkschaft. Knill verwies auch auf die starke Konjunkturabschwächung. Im Jahr 2018 lag das reale Wirtschaftswachstum bei 2,7 Prozent, heuer wird nur mehr ein Plus von 1,5 Prozent erwartet. Im Vorjahr einigten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf ein Entgelt-Plus beim Metaller-KV von 3,5 Prozent. Damals hatte die Gewerkschaft zuvor ein Plus von 5 Prozent gefordert.

Der WKÖ-Fachverband der Metalltechnischen Industrie hatte im Vorfeld der KV-Verhandlungen die Arbeitnehmervertreter angesichts der Konjunktureintrübung zu „Besonnenheit und Zurückhaltung“ aufgerufen. Das von der Gewerkschaft geforderte Recht auf eine 4-Tage-Woche ist für die Arbeitgebervertreter nicht vorstellbar. „Eine einseitige 4-Tage-Woche wird es nicht geben“, sagte Knill.

Am Nachmittag startet die erste Verhandlungsrunde für einen Kollektivvertrag für die rund 130.000 Beschäftigten in der Metalltechnischen Industrie. (APA)

Stichwort Metalltechnische Industrie:

Die gesamte Metallindustrie umfasst 195.000 Beschäftigte. Seit 2012 verhandeln die sechs WKÖ-Fachverbände bzw. Berufsgruppen auf Wunsch der Arbeitgeber und gegen den Widerstand der Gewerkschaften die Kollektivverträge getrennt.

Nach dem Start der KV-Verhandlungen der Metalltechnische Industrie mit 126.500 Beschäftigten heute, Montag, folgt die Gießerei-Industrie (7.400 Beschäftigte) am 3. Oktober, die Fahrzeugindustrie (34.600 Beschäftigte) am 9. Oktober, der Bereich Bergbau-Stahl (rund 17.000 Beschäftigte) am 28. Oktober und die NE-Metallindustrie (rund 6.400 Beschäftigte) am 30. Oktober. Die Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen (rund 5.000 Beschäftigte) starten am 30. September.

Der WKÖ-Fachverband Metalltechnische Industrie hat rund 135.800 Beschäftigte, darunter sind rund 7.500 Mitarbeiter aus der Gießereiindustrie, die ihren Kollektivvertrag getrennt verhandeln, aber Teil des Fachverbands sind.