Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.10.2019


Bezirk Landeck

Berufsfestival in Landeck trägt Früchte

Trend der vergangenen Jahre – sinkende Lehrlingszahlen – konnte im Bezirk gestoppt werden. 40 Ausbildungsbetriebe hießen mehr als 500 Schüler im Stadtsaal willkommen.

Der Meister selbst – Martin Sieberer (l.) – motiiviert Schüler zum Einstieg in den Kochberuf.

© WenzelDer Meister selbst – Martin Sieberer (l.) – motiiviert Schüler zum Einstieg in den Kochberuf.



Von Helmut Wenzel

Landeck – „Ich koche gerne. Daher habe ich mich für den Lehrberuf Koch entschieden. Danach möchte ich die weite Welt kennen lernen.“ Das hat Cecile (15) aus Galtür gestern Dienstag beim Berufsfestival der Wirtschaftskammer Land­eck über ihren Einstieg in die Lehrausbildung verraten. Ihr Ausbilder ist kein Unbekannter – Martin Sieberer aus dem Paznaun, Koch des Jahres 2000. In Sieberers 13-köpfigem Lehrlingsteam mit dabei ist auch Elias (15) aus Kappl. „Kochen und der Umgang mit Lebensmitteln sind eine schöne Sache. Zur Kochlehre motiviert haben mich meine Großeltern, die eine Alpenvereinshütte betreiben.“ Elias kann sich vorstellen, später in einer derartigen Hütte zu kochen. „Mein Vorbild ist natürlich Martin Sieberer.“

Aaliya Steiner (17), angehende Hotelkauffrau, macht Lehre mit Matura.
Aaliya Steiner (17), angehende Hotelkauffrau, macht Lehre mit Matura.
- Wenzel

Weit weniger als zehn Prozent aller Lehrlinge machen Lehre mit Matura. Aaliyah Steiner (17), die in Landeck die Fachberufsschule (TFBS) besucht, hat sich für den aufwändigeren Weg mit Matura entschieden: „Ich bin Hotelkauffrau im 3. Lehrjahr. Schwerpunkte sind Marketing und Rezeption. Das Schöne ist, dass man viel mit Menschen zu tun hat.“ Die Matura will sie machen, „weil ich später Psychologie studieren will“. Alle drei Lehrlinge waren gestern Ansprechpartner für Dutzende Schüler aus den Neuen Mittelschulen, den Gymnasien Landeck und Zams sowie aus den beiden Polytechnischen Schulen des Bezirkes. „Wir machen das Berufsfestival zum 7. Mal“, resümierte Wirtschaftskammerchef Toni Prantauer. „Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser und weiteren Initiativen der Kammer junge Leute motivieren können, in einen Lehrberuf einzusteigen.“

Der Negativtrend bei den Lehrlingszahlen habe in den letzten zwei Jahren gestoppt werden können. „Im Moment haben wir 713 junge Leute in 247 Ausbildungsbetrieben“, weiß Kammerchef Prantauer. Trotzdem hat sich die Rekordmarke von mehr als 1200 Lehrlingen in den 90er-Jahren inzwischen beinahe halbiert.

Das bestätigt auch Günther Schwazer, Direktor der Tiroler Fachberufsschule (TFBS) in Landeck. „Voriges Schuljahr waren 630 Schüler bei uns. Im neuen Schuljahr dürften es etwa gleich viele sein, die genaue Zahl haben wir aber noch nicht.“

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Faktum ist auch, dass es im Bezirk Landeck Monat für Monat mehr offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende gibt. „Mit Stichtag 30. September haben uns die Betriebe 130 Stellen gemeldet“, sagte AMS-Leiter Günther Stürz gestern auf TT-Anfrage. „Demgegenüber stehen 19 junge Leute, die noch einen Ausbildungsplatz suchen.“

Zudem gebe es bei den Lehrstellen eine Dunkelziffer, wie Prantauer einräumte: „Einige Betriebe verzichten darauf, die Lehrstelle auszuschreiben. Weil die Mühe oft vergeblich ist. Man setzt lieber auf Mundpropaganda.“

Heute Mittwoch ab 18.30 Uhr sind übrigens auch Eltern zur Lehrberufsmesse eingelanden. Chefs und Personalleiter der Lehrbetriebe stehen für Fragen zur Verfügung.




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