Letztes Update am Mi, 09.10.2019 14:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Elternteilzeit brachte bessere Jobchancen für Frauen

Laut einer FORBA-Studie sind zwar heute deutlich mehr Frauen erwerbstätig, bei der Stundenzahl blieben sie jedoch im niedrigen Bereich – und zwar dauerhaft und mit deutlichen Auswirkungen auf das Gehalt.

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Wien – Die Erwerbstätigkeit von Müttern mit jungen Kindern ist in den letzten 15 Jahren deutlich gestiegen. Aus Sicht der Arbeiterkammer (AK) liegt das vor allem an der Einführung der Elternteilzeit im Jahr 2004. Wer Rechtsanspruch darauf hat, findet leichter ins Berufsleben zurück, so AK-Präsidentin Renate Anderl. Trotzdem bleiben viele Frauen in der Teilzeit-Falle, gab sie zu Bedenken.

Zwar sind heute deutlich mehr Frauen erwerbstätig, bei der Stundenzahl bleiben sie jedoch im niedrigen Bereich - und zwar dauerhaft und mit deutlichen Auswirkungen auf das Gehalt. Familie und Job unter einen Hut zu bringen, müsse leichter und auch anerkannt werden, forderte Anderl am Mittwoch bei der Präsentation einer gemeinsamen Studie mit FORBA zu Erwerbstätigkeit und Elternteilzeit. Sie fordert ein Umdenken in Gesellschaft und Unternehmen.

Vollzeitanteil ging zurück

Für die Studie wurden Daten der Statistik Austria Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von 2005 bis 2017 analysiert. Demnach war 2005 die Hälfte der Frauen, deren jüngstes Kind zwischen zwei und drei Jahren alt war, nicht erwerbstätig, 34 Prozent arbeiteten Teilzeit und 10 Prozent hatten eine Vollzeit-Stelle. 2017 waren nur noch 36 Prozent nicht erwerbstätig, der Teilzeit-Anteil stieg auf 52 Prozent, während der Vollzeit-Anteil auf sieben Prozent zurückging.

War der jüngste Nachwuchs 2005 zwischen 4 und 6 Jahren alt, arbeiteten 16 Prozent der Mütter Vollzeit und 43 Prozent Teilzeit. 34 Prozent waren nicht erwerbstätig. 2017 lag dieser Anteil bei 23 Prozent, zeitgleich stieg der Anteil teilzeitbeschäftigten Mütter auf 58 Prozent, der Vollzeitanteil sank auf 12 Prozent.

Im Schnitt lag die wöchentliche Arbeitszeit von Müttern mit vorschulpflichtigen Kindern im Beobachtungszeitraum von 2005 bis 2017 bei 19 bis 23 Stunden. Dazu kommen allerdings noch 27 Stunden pro Woche, die erwerbstätige Frauen unbezahlt in Haushalt, der Kinderbetreuung oder Pflege leisten, so die AK.

Bei Müttern mit mittleren Abschlüssen wie Lehre, Matura oder Kolleg ist die Erwerbstätigkeit am stärksten gestiegen. Wenig hat sich hingegen bei Frauen mit Pflichtschulabschlüssen getan. Das habe auch damit zu tun, „dass diese Zielgruppen weniger Rechtsanspruch auf Elternteilzeit haben“, so Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der Wiener AK.

Fast nur von Müttern genutzt

Elternteilzeit nehmen fast ausschließlich Mütter in Anspruch, schließt die AK weiter aus der Untersuchung. Männer arbeiten immer noch Vollzeit und machen Überstunden, obwohl sich viele Väter stärker in der Familie engagieren wollen, so Anderl. Im Beobachtungszeitraum 2005 bis 2017 ist der Teilzeitanteil der Väter mit vorschulpflichtigen Kindern von 3 auf 7 Prozent gestiegen - obwohl Männer viel öfter Rechtsanspruch auf Elternteilzeit hätten. Nehmen sie ihren Anspruch wahr, arbeiten Väter mit im Schnitt 27 bis 30 Wochenstunden deutlich länger als Mütter.

Rechtsanspruch auf Elternteilzeit gibt es in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern und einer Beschäftigungsdauer von mindestens drei Jahren, wobei etwaige Karenzzeiten angerechnet werden können. „Die Elternteilzeit kann bis zum 7. Geburtstag des Kindes in Anspruch genommen werden, es gibt einen Kündigungs- und Entlassungsschutz bis zum 4. Geburtstag und einen Motivkündigungsschutz bis zum 7. Geburtstag“, so die AK. Es ist auch möglich, dass beide Elternteile gleichzeitig in Elternteilzeit gehen, laut AK wüssten das viele allerdings nicht.

Ist der Betrieb kleiner oder entspricht das Arbeitsverhältnis nicht der Mindestdauer, kann Elternteilzeit freiwillig, bis zum Ablauf des 4. Lebensjahres des Kindes, vereinbart werden. Dabei seien Mitarbeiter dann aber vom „Goodwill“ des Arbeitgebers abhängig, so Anderl. In der Praxis sei das nicht relevant, meinte Moritz. Wenig Rechtsanspruch auf Elternteilzeit gebe es - wegen der Betriebsgrößen bzw. der kurzen Beschäftigungsdauer - vor allem in Gastronomie und Handel, bei freien Berufen und wissenschaftlichen Tätigkeiten.

„Auf kleinere Betriebe ausweiten“

Deshalb soll der Rechtsanspruch auf Elternteilzeit auch auf kleinere Betriebe ausgeweitet werden. Um Familie und Beruf leichter zu vereinbaren, legte Anderl auch weitere Forderungen auf den Tisch. So soll etwa 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Kindergärten und Krippen investiert werden sowie der Mehrarbeitszuschlag bei Teilzeitmitarbeitern ab der ersten Stunde gelten und auf 50 Prozent angehoben werden.

Zudem soll es generell kürzere Arbeitszeiten geben. „Wir müssen uns die Wochenarbeitszeit genauso anschauen wie die Lebensarbeitszeit und wie die Arbeitszeit verteilt ist“, heißt es von der AK. Auch die Unternehmen müssten stärker in die Pflicht genommen werden, der Papamonat sei nur ein erster Schritt. (APA)