Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.10.2019


Tarifverhandlungen

Kollektivvertrag: Auch der Handel will 4.4 Prozent mehr Lohn

Nach den Metallern will auch der Handel mehr als 4 % Lohnplus. Ohne entsprechend höhere Löhne ist auch das EZB-Inflationsziel nicht machbar, sagt Ökonom Bruckbauer.

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Von Max Strozzi

Wien – Mit dem Ruf nach einem Lohnplus von 4,5 Prozent waren die Metaller in den Ring gestiegen. Gestern folgten die Handelsangestellten. Die Gewerkschaft fordert für die rund 413.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Handel 100 Euro Entgelterhöhung für alle auf Vollzeitbasis, das wäre ein durchschnittliches Plus von 4,4 Prozent. Da wie dort sprechen Arbeitgeber von überzogenen und realitätsfremden Wünschen. Die Metallindustrie beispielsweise bietet 1,8 Prozent mehr Lohn.

Angesichts der niedrigen Inflationsrate sei es auch der Wunsch der Europäischen Zentralbank (EZB), dass die Löhne steigen, sagt Bank-Austria-Ökonom Stefan Bruckbauer. „Höhere Löhne sind der einzige Weg für eine höhere Inflationsrate“, so Bruckbauer. Bekanntlich liegt die Inflationsrate in Europa seit vielen Jahren deutlich unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent, selbst Nullzinsen und Geldschwemmen der Währungshüter haben bislang die Inflation nicht auf das gewünschte Ziel anheben können.

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„Europa leidet derzeit nicht darunter, dass es nicht wettbewerbsfähig ist, sondern dass die Nachfrage zu schwach ist“, erklärt Bruckbauer. Höhere Löhne bedeuten in der Regel mehr Konsum, höhere Nachfrage und höhere Preise, also eine höhere Inflation. „Wenn Branchen, die Produktivitätsgewinne aufweisen, auf Lohnabschlüsse von weniger als zwei Prozent kommen, wird man die Inflation nicht auf die gewünschte Marke von zwei Prozent bringen“, so Bruckbauer.

Wobei der Ökonom unterscheidet: In der global aufgestellten Industrie können zu hohe Lohnsteigerungen Druck auf die Produktivität erzeugen, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen leiden könnte. Im Handel dagegen sei zwar auch klar, dass die Konkurrenz hoch ist, ein Teil der Lohnerhöhung könne man aber auf den Konsumenten in Form von Preiserhöhungen weitergeben, so der Ökonom.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Metaller auf ein Lohnplus von durchschnittlich 3,46 Prozent geeinigt, der Handel auf ein Gehaltsplus zwischen 2,5 Prozent und 3,2 Prozent.