Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.10.2019


Bezirk Schwaz

Job-Check im AMS Schwaz: Das große Buhlen um Lehrlinge

Der Jugendliche von heute ist selbstsicherer und reifer als vor 20 Jahren. Und wenn er will, ist er die dringend benötigte Fachkraft von morgen. Beim Job-Check im AMS Schwaz informierten sich 180 PTS-Schüler.

Im AMS informierten neun große Lehrbetriebe die Schüler über ihr Ausbildungsangebot.

© DählingIm AMS informierten neun große Lehrbetriebe die Schüler über ihr Ausbildungsangebot.



Von Angela Dähling

Schwaz – Konzentriert lauscht der junge Bursche den Anleitungen der Friseurin, um dann fachgerecht den Lockenwickler in das Haar am Friseurkopf einzudrehen. Daneben schreibt eine Schülerin eifrig mit, was der Mitarbeiter einer Baufirma über die Tischlerlehre erzählt. Beim alle zwei Jahre stattfindenden Job-Check des AMS nutzten gestern rund 180 Schüler der Polytechnischen Schule (PTS) Schwaz, Jenbach und Zell die Gelegenheit, sich über verschiedenste Lehrberufe direkt bei neun Firmen aus dem Bezirk zu informieren. Auch einen Infostand über weiterführende Schulen gab es.

Die Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte und Lehrlinge. „Wir haben 218 offene Lehrstellen im Bezirk und nur zwanzig arbeitslose Jugendliche bis 19 Jahre. Wobei die Hälfte dieser Jugendlichen einen Schulabschluss und keine körperlichen Einschränkungen hat“, verdeutlicht AMS-Leiterin Andrea Schneider. Die Unternehmen versuchen mit Bezahlung des Führerscheins oder Unterrichtsmöglichkeiten für eine Lehre mit Matura die jungen Menschen für sich zu gewinnen. „Viele entscheiden sich zunächst für eine höherbildende Schule, brechen dann aber ab und beginnen eine Lehre“, erzählt der Schwazer PTS-Direktor Heiko Kromp. Steigend sei die Anzahl derer, die sich für eine duale Ausbildung, also Lehre mit Matura, entscheiden. „Ein Studiumabschluss bedeutet zudem nicht zwangsläufig tolle Jobchancen“, ergänzt Matthias Danninger, Klassenvorstand an der PTS Jenbach, und Kromp verweist auf hohe Einstiegsgehälter etwa als Mechatroniker. Als Facharbeiter ist das Ende der Karriereleiter zudem nicht zwangsläufig erreicht. „Über 40 Prozent der Führungskräfte haben als Lehrling begonnen“, ergänzt Andrea Schneider.

Heiko Kromp (Direktor PTS Schwaz): „Die Sprachkompetenz ist erschreckend. Immer mehr Schüler verstehen nur einfachstes Deutsch.“
Heiko Kromp (Direktor PTS Schwaz): „Die Sprachkompetenz ist erschreckend. Immer mehr Schüler verstehen nur einfachstes Deutsch.“
- Dähling
Andrea Schneider (Leiterin AMS Schwaz): „Wir haben 218 offene Lehrstellen im Bezirk und nur 20 arbeitslos gemeldete Jugendliche bis 19 Jahre.“
Andrea Schneider (Leiterin AMS Schwaz): „Wir haben 218 offene Lehrstellen im Bezirk und nur 20 arbeitslos gemeldete Jugendliche bis 19 Jahre.“
- Dähling

Wie viele Jugendliche die Lehre abbrechen, ist laut ihr statistisch nicht erfasst. Kromp schätzt, es sind rund fünf Prozent. „Meistens wartet dann schon der nächste Lehrbetrieb auf sie. Einige Jugendliche erkennen allerdings nicht, dass sie für ihr Lehrgeld auch was leisten müssen“, weiß Kromp. Sehr oft sei das Betriebsklima Grund für den Lehrabbruch.

Die Schere zwischen denen, die ihre beruflichen Ziele kennen und ihren Weg zielstrebig gehen, und jenen, die schon in der Schule nur das Minimum leisten, um durchzukommen, werde immer größer. Ungenügende Deutschkenntnisse seien ein Grund (speziell bei Migranten), aber auch psychische Probleme spielten eine Rolle. In Summe seien die Schüler aber selbstständiger, selbstsicherer und reifer als vor zwanzig Jahren, sagen Kromp und Danninger. Sie würden besser diskutieren, aber schlechter auswendig lernen – mit dem Argument, für Formeln und Vokabeln gebe es ja Google. Kromp: „Die Sprachkompetenz ist allerdings erschreckend. Viele verstehen nur einfachstes Deutsch. Je mehr Fachvokabular und Fremdwörter, umso eher steigen sie aus. Und ich spreche von Einheimischen.“ Für einige sei es ein Problem, Referate an der Schule in Hochdeutsch statt im Dialekt zu halten.




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