Letztes Update am Mo, 21.10.2019 15:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tarifverhandlungen

Metaller: Betriebsversammlungen kommende Woche beschlossen

Sollte es bei der 5. Verhandlungsrunde für einen Metaller-KV-Abschluss wieder zu keinem Ergebnis kommen soll es zu Betriebsversammlungen kommen. Die Positionen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer liegen noch weit auseinander.

Symbolfoto

© iStockSymbolfoto



Vösendorf, Innsbruck – Im Ringen um einen Metaller-KV-Abschluss erhöht die Gewerkschaft den Druck: Bei einer Betriebsrätekonferenz am Montag in Leonding (Bezirk Linz-Land) wurde beschlossen, Betriebsversammlungen abzuhalten, sollte es bei der nächsten Verhandlungsrunde am Montag wieder zu keinem Ergebnis kommen. In der Vorwoche war die vierte Verhandlungsrunde erfolglos abgebrochen worden.

Auch in Innsbruck trafen sich am Montag 60 60 Tiroler Belegschaftsvertreter, dabei wurde eine Resolution einstimmig beschlossen: Sollte die Arbeitgeberseite am 28. Oktober kein akzeptables Angebot auf den Tisch legen, werden Betriebsversammlungen als erste Kampfmaßnahme stattfinden, so die Vertreter der Gewerkschaft PRO-GE und GPA-djp Tirol in einer Aussendung am Montag.

„Realitäten anerkennen“

In der Vorwoche war die vierte Verhandlungsrunde erfolglos abgebrochen worden, liegen die Vorstellungen aktuell doch noch sehr weit auseinander. Die Arbeitnehmer fordern eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent beziehungsweise mindestens 100 Euro für die rund 130.000 Beschäftigten in der Metalltechnischen Industrie, die Arbeitgeberseite bietet 1,8 Prozen. Robert Koschin, Tiroler Landesgeschäftsführer der PRO-GE, verwies auf die enormen Gewinne der Branche: „In den letzten Jahren haben die Top-Unternehmen der Branche fast 18 Milliarden Euro an Gewinnen ausgeschüttet. 2018 wurden Dividenden von mehr als zwei Milliarden Euro ausbezahlt und damit die Ausschüttungsquote auf 90 Prozent des Jahresüberschusses erhöht.“ Das „magere“ Angebot von 1,8 Prozent entspreche lediglich der Höhe der Inflationsrate und sei als absolute Provokation zu werten.

Die Forderungen der Gewerkschaften nach 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt bzw. mindestens 100 Euro bleiben weiterhin aufrecht. Einstimmig wurde die Resolution zu Betriebesversammlungen beschlossen.
Die Forderungen der Gewerkschaften nach 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt bzw. mindestens 100 Euro bleiben weiterhin aufrecht. Einstimmig wurde die Resolution zu Betriebesversammlungen beschlossen.
- ÖGB Tirol

Die Arbeitgeberseite forderte am Montag hingegen „Realitäten anerkennen“. „Alle wesentlichen Wirtschaftsdaten für die Industrie sind negativ, wir verzeichnen Auftragseinbrüche, die Industrieproduktion sinkt seit mehreren Monaten und die Inflationsrate liegt mit aktuell 1,2 Prozent auf sehr niedrigem Niveau“, argumentierte der Obmann des WKÖ-Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), Christian Knill, in einer Presseaussendung am Montag. Etliche Betriebe würden sich auf einen Rückgang der Produktion vorbereiten. Zudem habe man im Vorjahr „außergewöhnlich hoch abgeschlossen“. Damals hatte man sich nach sieben Runden auf einen hohen Abschluss mit einem durchschnittlichen Entgelt-Plus von 3,46 Prozent gestaffelt nach Einkommen geeinigt.

„Die Betriebsräte sind entschlossen, für eine gerechte Lohn- und Gehaltserhöhung zu kämpfen. Sie werden gemeinsam Stärke zeigen, auch die Rahmenbedingungen zu verbessern“, meinte hingegen Christof Federspiel, betreuender Sekretär in der Gewerkschaft GPA-djp Tirol. (TT.com, APA)