Letztes Update am Di, 22.10.2019 12:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

OECD-Studie: Soziale Mobilität in Österreich sehr gering

Die neue Studie zeigt, dass die geringe soziale Mobilität in Österreich nicht nur ungerecht ist, sondern auch „negative wirtschaftliche, soziale und politische Konsequenzen“ hat.

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Wien – Die soziale Mobilität fällt in Österreich vergleichsweise gering aus. Zu diesem Schluss kommt eine OECD-Studie im Auftrag des Sozialministeriums, über die auch „Der Standard“ am Dienstag berichtete. Einkommen und sozioökonomischer Status der Eltern haben entscheidenden Einfluss auf das Leben der Kinder. Die Studienautoren zeigen auch Faktoren auf, die soziale Mobilität begünstigen oder verhindern.

In einem durchschnittlichen OECD-Land könne es vier bis fünf Generationen dauern, um aus dem unteren Zehntel der Einkommensverteilung heraus auf das Durchschnittseinkommen zu kommen, urteilt die Studie „Soziale Mobilität und Vermögensverteilung“. Für Österreich fällt dieser Wert noch geringfügig höher aus, im Schnitt dauert es fünf Generationen lang. Zum Vergleich: In Dänemark dauert es zwei Generationen lang, in Norwegen, Finnland und Schweden drei Generationen.

„Negative wirtschaftliche, soziale und politische Konsequenzen“

„Die Wahrscheinlichkeit, dass Söhne von Vätern mit niedrigem Verdienst [...] in den oberen Bereich der Verdienstverteilung aufsteigen, liegt bei nur 15 Prozent und damit unter dem OECD-Durchschnittswert“, schreiben die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Söhne von Vätern mit hohem Einkommen werden in der Regel auch selbst viel verdienen, so die Autoren.

Die Studie zeigt auf, dass die geringe soziale Mobilität in Österreich nicht nur ungerecht ist, sondern auch „negative wirtschaftliche, soziale und politische Konsequenzen“ hat. Erhalten Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen nicht dieselben Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer Talente wie Menschen aus privilegierten Familien, schmälere das auch das Wirtschaftswachstum, steht in dem Bericht. „Aufstiegschancen wirken sich zudem auf die Lebenszufriedenheit und das Wohlbefinden des Einzelnen aus und sind wichtig für den sozialen Zusammenhalt und die demokratische Teilhabe“, schreiben die Autoren Michael F. Förster und Sebastian Königs.

„Impulse zur Aufstiegsmobilität“

Als Verbesserungsvorschläge nennen die OECD-Experten mehrere Faktoren, die soziale Mobilität in Österreich in Zukunft begünstigen könnten. Notwendige Investitionen sehen sie im Bereich der frühkindlichen Bildung, die „wichtige Impulse zur Aufstiegsmobilität“ geben könne. Als zweiter Punkt wird empfohlen, Fördermaßnahmen für einen erfolgreichen Übergang von der Schule ins Erwerbsleben zu erhöhen. Auch wenn Österreich junge Menschen beim Berufseintritt teils bereits unterstützt, sollte die Finanzierung von benachteiligten Schulen verbessert werden, fordern die Autoren.

„Drittens würde die Verringerung der Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt die soziale Mobilität erheblich verbessern“, schreiben sie. Das erfordere Maßnahmen in den Bereichen Steuern, Elternkarenz sowie Familien- und Betreuungsleistungen. Als vierte Maßnahme empfehlen die Autoren Änderungen im Steuer- und Transfersystem. Die hohe Konzentration von Haushaltsvermögen in Verbindung mit dem Fehlen einer Erbschaftsbesteuerung beeinträchtige die Chancengleichheit, zeigen sie sich überzeugt. (APA)