Letztes Update am Mo, 28.10.2019 16:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Mehr Eisenbahnerinnen sollen bei Europas Bahnen Joblücken füllen

Eine Studie zeigt, die ÖBB ist mit 12,8 Prozent Frauen Europas Schlusslicht. Generell gibt es nur sehr wenige Lokführerinnen. Die Sozialpartner wollen eine verbindliche Regelung für Gleichstellung und mehr Frauenbeschäftigung.

Lokführer ist immer noch eine Männerdomäne. (Symbolfoto)

© MurauerLokführer ist immer noch eine Männerdomäne. (Symbolfoto)



Wien – Europas Bahnen kämpfen mit Fachkräftemangel in einer alternden Gesellschaft. Mehr Frauen für die Eisenbahnberufe zu gewinnen ist eine der Gegenstrategien. Ein europäischer Sozialpartnerdialog soll bis nächsten Herbst eine verbindliche Regelung für Gleichstellung und mehr Frauenbeschäftigung schaffen. Dieses Vorhaben wurde am Montag von den ÖBB und der Gewerkschaft vida in Wien präsentiert.

Seit 2012 wird jährlich in einer Studie der Anteil der Frauenbeschäftigung bei Bahnen in Europa erhoben. Der „Women in Rail Report“, die bisher einzige geschlechtsspezifische statistische Erhebung im Verkehrssektor, die nun bereits zum sechsten Mal durchgeführt wurde, liefert die Basis für die weiteren Maßnahmen. 28 Eisenbahnunternehmen aus 21 europäischen Ländern haben an der Befragung im Jahr 2018 teilgenommen.

Schlusslicht ÖBB

Beim Frauenbeschäftigungsanteil nehmen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit 12,8 Prozent den letzten Platz im europäischen Vergleich ein. Den höchsten Frauenanteil bei den Bahn-Beschäftigten hat Schweden mit 40 Prozent. Im Durchschnitt liegt der Frauenanteil bei den Bahnen bei rund 20 Prozent, was klar unter dem gesamtwirtschaftlichen Frauenanteil bei der Beschäftigung in Europa von 46 Prozent liegt.

Im Bereich des Top Managements haben die ÖBB hingegen mit 27,3 Prozent Frauen in Führungspositionen einen höheren Anteil als im europäischen Vergleich (22,3 Prozent), im mittleren Management allerdings liegen die ÖBB mit 11,7 Prozent Frauenanteil wieder deutlich zurück. Bei Zugbegleiterinnen nehmen die Bundesbahnen im europäischen Vergleich wiederum den letzten Platz mit nur 15 Prozent ein, bei den Triebfahrzeugführerinnen sind es überhaupt nur 2,7 Prozent.

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„Und die kann dann ruhig rosa sein“

EU-Abgeordnete Evelyn Regner (SPÖ), Vorsitzende des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter, brachte die Zahlen auf den Punkt: Nur jede fünfte Person, die in der EU im Eisenbahnsektor arbeitet, ist weiblich - bei den ÖBB sogar nur jede achte. „Der Eisenbahnsektor in Europa hat ein gewaltiges Diversitätsproblem, Frauen sind noch immer unterrepräsentiert“, kritisierte sie. Dabei gehe es auch um die Sichtbarkeit: Wenn eine vielfältige Gesellschaft abgebildet werde, entstehe auch Innovation. Michaela Huber, Vorständin im ÖBB Personenverkehr, ergänzte, der Beruf der Eisenbahnerin müsse auch für Mädchen schon ein Traumberuf werden. Dazu könne man den Töchtern und Enkelinnen schon eine Eisenbahn in die Wiege legen – „und die kann dann ruhig rosa sein“.

Die europäischen Sozialpartner im Bahnsektor, die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF) und CER (Vereinigung der Arbeitgeber im europäischen Eisenbahnsektor) haben sich zum Ziel gesetzt, ein Abkommen zur Gleichstellung von Frauen zu verhandeln und den Frauenanteil bei den Bahnen in Europa zu erhöhen. Der Schweizer Eisenbahnergewerkschafter Giorgio Tuti, Präsident des Sektoralen Sozialen Dialogs, hofft auf eine Einigung auf ein verbindliches Abkommen im nächsten Herbst. (APA)