Letztes Update am Do, 05.12.2013 09:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Bewerbungen als Geduldsprobe

Die Jobsuche dauert immer länger. Dabei sind Geduld und Ausdauer gefragt. Damit sich der Frustpegel in Grenzen hält, sollten Bewerber die zeitlichen Abläufe in den Unternehmen hinterfragen.



Von Barbara Egger

Innsbruck – Helmut S., 49 Jahre, wurde gekündigt. Der ehemalige Bereichsleiter eines Pharmakonzerns suchte einen neuen Job. Dafür hat er ein halbes Jahr gebraucht. Herr S. ist damit bei Weitem nicht alleine.

„Die Job-Suchdauer ist seit einem Jahrzehnt tendenziell steigend. Das zeigen auch die österreichischen Beratungsstatistiken“, weiß Walter Reisenzein. „Die durchschnittliche Suchdauer ist im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr von 23,2 auf 27,2 Wochen sogar recht deutlich gestiegen“, sagt der Geschäftsführer der Outplacementfirma Lee Hecht Harrison/DBM. Nur im Krisenjahr 2008 habe sich die durchschnittliche Suchdauer mit 29 Wochen auf dem höchsten Niveau befunden.

Grundsätzlich gilt für die Jobsuche von Angestellten folgende Formel: Die Suchdauer in Monaten entspricht dem Jahresgehalt dividiert durch 13.000. Das bedeutet, dass es bei 100.000 Euro Bruttogehalt durchschnittlich etwas mehr als 7,5 Monate dauert, um einen neuen Job zu finden. Reisenzein meint, grundsätzlich korreliere ein höheres Gehalt, eine höhere Führungsebene und die Dauer der Betriebszugehörigkeit (ist gleich: je länger sich jemand nicht beworben hat) mit der Dauer der Suche. „Die Betroffenen erwarten jedoch meist, dass es viel schneller geht.“

Auch Herr S. dachte das. Der Pharmareferent, der aufgrund von Umstrukturierungen im Unternehmen bzw. durch Personalabbau seinen Job verloren hat, musste bei der Suche nach einem neuen Job Geduld und Ausdauer beweisen. Erschwerend kam noch hin zu, dass Herr S. über wenig Bewerbungserfahrung verfügte. Schließlich hat er seinen Job über Jahrzehnte beim selben Arbeitgeber ausgeübt. „In Summe kommt es nicht darauf an, ob ein Bewerber auf dem Gebiet der Jobsuche erfahren ist. Es ist einfach so, dass in vielen Branchen – und je höher das Gehalt sein soll – Erwartung und Wirklichkeit bei der Jobsuche oft weit auseinanderklaffen“, meint Personalcoach Reisenzein.

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Wenn ein Bewerbungsprozess länger dauert als angenommen, würden die Betroffenen nicht gerne offen darüber sprechen. „Das ist verständlich. Frust und Enttäuschung nehmen zu. Die Bewerber geben sich meist selbst die Schuld an der langen Dauer der Jobsuche. Dabei haben sie es einfach verabsäumt, sich zu erkundigen, wie die zeitlichen Abläufe in den Unternehmen sind“, erklärt Reisenzein.

Jobsuchenden empfiehlt er bei Gesprächen mit Personalberatern und Personalisten nachzufragen, was wann passieren wird und was die nächsten Schritte sein werden. Man sollte sich auch über die Termine und deren Abfolge und Orte erkundigen. Dabei sollte man sich auch nicht scheuen, konkret nachzufragen, wer über die Jobvergabe entscheidet und wann die Stelle besetzt werden soll. Das hilft dabei, Wunsch und Wirklichkeit abzugleichen. „Somit halten sich die Enttäuschungen in Grenzen, wenn die Jobsuche länger dauert als angenommen“, erklärt Reisenzein.




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