Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.02.2014


Arbeitsmarkt

Lehrer für eine bessere Zukunft

Teach for Austria setzt Akademiker an Schulen in Salzburg und Wien ein, um benachteiligten Schülern Chancengleichheit zu ermöglichen. Teilnehmer werden gesucht und auch eine Expansion nach Tirol wird überlegt.

© Markus SeppererIn der Sommerakademie lernen die angehenden Fellows innerhalb von sechs Wochen alles, was sie für den Schulalltag brauchen.Foto: Markus Sepperer



Von Daniel Feichtner

Wien – „Trotz unseres hervorragenden Schulsystems ist die Bildung von Schülern in Österreich noch immer stärker vom Ausbildungsgrad ihrer Eltern abhängig als in anderen Industrieländern“, beklagt Walter Emberger, Geschäftsführer von Teach for Austria. Als Beleg dafür führt er die letzte Pisa-Studie an. Diese hat gezeigt, dass Kinder von Akademikern eine 16-fach höhere Chance auf einen Universitätsabschluss haben. „Außerdem hat die Erhebung große Unterschiede im aktuellen Bildungsniveau der Jugendlichen belegt“, sagt Emberger. „Effektiv hinken die Kinder von Eltern, die nur einen Pflichtschulabschluss besitzen im Alter von 15 bis 16 Jahren denen von Akademikern um rund zwei Schuljahre hinterher. Bildung wird hierzulande also noch immer gewissermaßen vererbt.“

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat Emberger 2011 das Projekt Teach for Austria ins Leben gerufen. Die Initiative rekrutiert junge Akademiker, sogenannte Fellows, aus allen Fachrichtungen, die sich während ihres Studiums hervorgetan haben. Diese werden innerhalb von sechs Wochen im Sommer intensiv geschult. Dann erhalten sie eine auf zwei Jahre befristete Stelle an einer österreichischen Neuen Mittel-, Haupt- oder Polytechnischen Schule. Dort kommen sie als Lehrer im Unterricht zum Einsatz. Sie sollen nicht nur aktuelles Wissen, sondern auch neue Denkanstöße in den Schulalltag mit einbringen. So haben sie die Möglichkeit, den Lebensweg von Schülern mit schlechten Startbedingungen zu beeinflussen und ihnen eine Chance auf eine bessere Zukunft zu geben.

„Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass auch in Österreich alle Kinder und Jugendlichen eine Chance auf eine exzellente Schulbildung haben“, erklärt Emberger. „Wir wollen der Akademikerelite einen Zugang zur nächsten Bildungsgeneration verschaffen. Sie bekommen in ihren zwei Jahren die Möglichkeit, nicht nur das Leben ihrer Schüler, sondern auch die Gesellschaft nachhaltig zu verändern.“

Das langfristige Ziel ist ihm zufolge außerdem, die Durchlässigkeit der Schule gegenüber der Gesellschaft zu erhöhen. „Nach dem Ende ihrer zwei Jahre im Schulalltag werden die Fellows zu Alumni“, erklärt der Geschäftsführer. Während manche im Lehrberuf blieben, würden andere danach hochrangige Posten in Wirtschaft, Forschung und Politik belegen. „Dadurch haben sie auch oft während ihrer Karriere die Möglichkeit, positiv auf das Bildungssystem einzuwirken. So tragen sie unsere Vision von Chancengleichheit in die Gesellschaft hinaus.“

Derzeit unterrichtet der zweite Fellow-Jahrgang an Schulen in Salzburg und Wien. Laut Emberger plant Teach for Austria derzeit die Expansion in weitere Bundesländer, und auch Tirol steht weit oben auf der Kandidatenliste. Deswegen werden für das nächste Jahr auch 50 statt der bisher 32 Fellows gesucht.

„Wir rekrutieren Teilnehmer aus den Top zehn Prozent eines akademischen Jahrgangs“, erklärt Toni Kronke, Leiter der Rekrutierungs- und Auswahlabteilung von Teach for Austria. „Dabei geht es nicht nur darum, die Absolventen mit dem besten Notenschnitt anzuwerben.“ Vielmehr achtet er darauf, ob die Bewerber während ihrer Ausbildung bereits Führungsqualitäten und Initiative gezeigt haben.

Bei dem strikten Auswahlverfahren, das nur rund jeder zwanzigste Bewerber besteht, haben daher vor allem diejenigen gute Chancen, die schon Organisationstalent und Verantwortungsbewusstsein bewiesen haben. „Die meisten Teilnehmer haben deutlich besser bezahlte Stellen in Aussicht“, erklärt Kronke. Dennoch geben sie sich für zwei Jahre mit einem Lehrereinstiegsgehalt zufrieden. Denn für sie zähle nicht das Geld, sondern die Herausforderung und die Möglichkeit, selbst Verbesserungen herbeizuführen. „Wir suchen motivierte Idealisten, die Dinge selbst in die Hand nehmen und aktiv zur Zukunft beitragen wollen“, fasst Kronke zusammen.

Das Auswahlverfahren für den Fellow-Jahrgang 2014/15 läuft noch bis maximal 30. April. Weitere Informationen unddie nötigen Bewerbungsunterlagen stehen unter http://www.teachforaustria.at/ zur Verfügung.