Letztes Update am Mo, 27.07.2015 13:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aktienmarkt

Kurssturz in China: Größter Tagesverlust seit acht Jahren

Die chinesischen Leitindizes verbuchten den größten Tagesverlust seit acht Jahren. „Viele Investoren fürchten inzwischen, dass die Konjunktur im wichtigen Exportland China deutlich einknicken könnte,“ sagte ein Händler.



Peking - Aufruhr am chinesischen Aktienmarkt: Die Börsen der Volksrepublik verbuchten am Montag den größten Tagesverlust seit mehr als acht Jahren und sorgten damit auch unter europäischen Aktienanlegern für Nervosität. „Viele Investoren fürchten inzwischen, dass die Konjunktur im wichtigen Exportland China deutlich einknicken könnte,“ sagte ein Händler.

Anzeichen für Schwächefall mehren sich

Die chinesischen Leitindizes Shanghai-Composite und Shenzhen brachen um jeweils mehr als acht Prozent ein. Angeführt von den Finanztiteln verlor der DAX in Frankfurt zeitweise 1,5 Prozent auf 11.175 Zähler. Die Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank fielen jeweils um rund 2,3 Prozent. Der EuroStoxx50 gab ein Prozent nach.

Die Anzeichen für einen Schwächeanfall der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hatten sich zuletzt gemehrt. Die Gewinne chinesischer Industrieunternehmen schrumpften trotz weiterer Zinssenkungen im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent. Im Mai war noch ein Zuwachs von 0,6 Prozent verzeichnet worden. Am Freitag hatten bereits Industriedaten für Ernüchterung gesorgt: Laut dem Caixin/Markit-Einkaufsmanagerinde ist Chinas Industrie im Juli so stark geschrumpft ist wie seit 15 Monaten nicht mehr.

Neben den enttäuschenden Wirtschaftsstatistiken machten Händler aber auch Gewinnmitnahmen für den Kurssturz verantwortlich. Die chinesische Regierung und die Börsenaufsicht hatten Anfang Juli umfangreiche Stützungsmaßnahmen beschlossen, nachdem der Shanghai-Composite in den Wochen zuvor um rund ein Drittel abgerutscht war. Das Kabinett legte ein 250 Mrd. Yuan (36,8 Mrd. Euro) schweres Konjunkturprogramm auf, die Aufsicht begrenzte Panik-Verkäufe.

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Zinserhöhung in USA drückt auf Stimmung

Seitdem hatte sich der Shanghai-Composite wieder um rund 16 Prozent nach oben gearbeitet. Doch die Beruhigungspille habe offenbar nur für eine kurze Verschnaufpause gesorgt, schrieb NordLB-Analyst Frederik Kunze in einem Kommentar. Auch die nahende Zinserhöhung in den USA drücke auf die Stimmung, sagte ein Händler. Viele Experten fürchten, dass die Zinswende den Kapitalabfluss aus Schwellenländern wie China verstärken wird. Mit steigenden Zinsen werden viele Anlagen für Investoren attraktiver.

Zu spüren waren die Sorgen um die chinesische Konjunktur auch am Rohstoffmarkt: Der Kupferpreis fiel um bis zu 1,1 Prozent auf 5.203 Tonne je Dollar und lag damit in Reichweite seines am Freitag erreichten Sechs-Jahres-Tiefs. China ist der weltgrößte Abnehmer für dieses Metall, das zur Herstellung von Stromkabeln und Wasserrohren benötigt wird.

Etwas freundlicher war die Stimmung zu Wochenbeginn dagegen unter den Euro-Anlegern. Die Gemeinschaftswährung kletterte zeitweise auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 1,1112 Dollar, nachdem der Ifo-Index im Juli überraschend um 0,5 auf 108,0 Punkte gestiegen war. Analysten hatten nach zwei Rückgängen in Folge mit einem weiteren Absinken des wichtigen Frühindikators für die deutsche Wirtschaft gerechnet. Die vorläufige Einigung der Gläubiger im Schuldenstreit mit Griechenland sorgte jedoch für bessere Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen. (APA/Reuters)