Letztes Update am Di, 08.12.2015 09:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Markt

Ölbranche zittert weiter: Auch 2016 im Zeichen des Preisverfalls?

rübe Aussichten für die Ölindustrie: Ein Ende der Ölschwemme ist nicht in Sicht, die Hoffnung auf steigende Preise zuletzt wieder geschwunden. Das ist vor allem für die Fracking-Branche eine große Bedrohung.

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New York, Frankfurt – Der Preisverfall am Ölmarkt hat der Förderindustrie in diesem Jahr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Gewinne der Ölmultis wie Shell, BP und Exxon brachen ein, noch heftiger traf es die Fracking-Firmen und ihre Zulieferer in den USA. Dennoch schlug sich die Branche besser als erwartet - die von Analysten prognostizierte Pleitewelle blieb bislang aus.

Doch die Aussicht auf 2016 macht den Unternehmen wenig Mut. Experten gehen davon aus, dass die Leidenszeit andauern wird.

„Die Stimmung am Markt hat erneut zum maximalen Pessimismus gedreht - die Rede ist wieder vom 20-Dollar-Ölpreis“, heißt es im Ausblick des Analysehauses Energy Aspects.

Ölpreise verharren nahe tiefsten Werten seit Februar 2009

Am Dienstag im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Jänner 40,91 US-Dollar (37,9 Euro). Das waren um 31 Cent mehr als am Vorabend, als der Preis den tiefsten Wert seit Februar 2009 erreicht hatte.

Der Preis für ein Fass der Sorte WTI stieg leicht auf 37,67 Dollar. Das waren um 17 Cent mehr als beim Tiefstand vom Vortag. Auch beim WTI war der niedrigste Wert seit Februar 2009 erreicht worden.

Hauptgrund für den Preisverfall ist die massive Überversorgung der Weltwirtschaft. Das Opec-Ölkartell mit Saudi-Arabien an der Spitze und die US-Fracking-Industrie pumpen im Kampf um Marktanteile um die Wette. Die Opec wird - so machten ihre Ölminister in einer Sitzung am vergangenen Freitag klar - zunächst an der Förderpolitik festhalten.

Nicht ganz so tief sieht die Weltbank den Ölpreis im kommenden Jahr. Sie prognostiziert für 2016 einen durchschnittlichen Preis von 51 Dollar pro Barrel. Damit würde er einen Dollar unter dem erwarteten Durchschnittspreis für 2015 liegen.

Für große Teile der Ölindustrie stellen solche im Vergleich zu den Vorjahren extrem niedrigen Niveaus allerdings schon große Probleme dar. Zudem gebe es Risiken bei der Prognose, warnt die Weltbank.

Angebot bleibt hoch

So dürfte das Angebot hoch bleiben, denn mit dem Iran kommt ein wichtiger Förderer zurück auf den Markt. Nachdem sich Teheran mit dem Westen auf einen Kompromiss zum Nuklearprogramm geeinigt hat, kann die Ölförderung wieder kräftig hochgefahren werden. „Nach dem Ende der Sanktionen ist es unser Recht, sofort wieder zum Produktionslevel zurückzukehren, das wir im historischen Durchschnitt hatten“, hatte Irans Ölminister Bijan Namdar Zanganeh Anfang September gesagt.

Zudem könnten die Ölpreise im nächsten Jahr auch durch eine Abschwächung der Weltwirtschaft unter Druck geraten, die den Energiebedarf dämpft. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge stellen die drastisch gesunkenen Rohstoffpreise eines der größten Risiken für die Konjunktur dar. Zwar profitieren Länder wie Deutschland von dem Preisrutsch, doch global gibt es zahlreiche Verlierer.

Vor negativen Folgen anhaltend niedriger Ölpreise warnt auch die Internationale Energieagentur (IEA). „Niedrigere Preise sind nicht nur gute Nachrichten für Verbraucher“, heißt es im Jahresbericht der Energieagentur. So bestehe das Risiko, dass notwendige Investitionen in die Ölförderung unterblieben. Darüber hinaus könne sich die Abhängigkeit von Ölproduzenten aus dem Nahen Osten erhöhen, deren Förderkosten besonders niedrig seien.