Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.05.2016


Markt

Baustelle Sporthandel: Einzelkämpfer am Vormarsch

Nach dem Einstieg von Sports Direct gehen Umsätze zunehmend zu Monolabel-Stores und Spezialisten. Tirol bleibt von Rückgängen verschont.

© Thomas BöhmIm Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz von Sport Eybl/Sports Experts noch bei knapp 338 Mio. Euro, seitdem geht es umsatzmäßig bergab.



Wien, Innsbruck – Der österreichische Sportartikelhandel gleicht einer Großbaustelle. Die Österreicher geben zwar mehr für Sportartikel aus, jedoch nicht mehr bei denselben Händlern. Die 2,5 Milliarden Euro, die die Österreicher für den Freizeitsport ausgeben, werden neu verteilt.

Bis vor wenigen Jahren war das Ranking im Sporthandel immer gleich: Marktführer war Eybl, dann Sport 2000 und Intersport annähernd gleichauf, und mit etwas Abstand Hervis. Die Übernahme von Eybl/Sports Expert durch die britische sportsdirect.com veränderte die Sportgeschäfte-Landschaft. Dramatische Umsatzeinbrüche (minus 40 %) und Filialschließungen ließen den einstigen Branchenprimus auf Platz 4 zurückfallen, heißt es vom Marktforscher RegioData. „Die Discount-Schiene und die Eigenmarken von Sports Direct haben die Kunden verscheucht“, erklärt RegioData-Geschäftsführer Wolfgang Richter den Umsatzeinbruch beim Discounter.

Bei den Kunden sind zunehmend Spezialisten gefragt. „Seit einigen Jahren entstehen verstärkt Laufshops, Outdoor-Shops, E-Bikeshops und andere Spezialisten, ebenso Monolabel-Stores wie etwa North Face oder Salewa“, sagt Richter. Ein Grund dafür sei auch, dass sich die Einzelkämpfer oft im klassischen Sportartikelhandel nicht immer gut vertreten fühlen würden.

Konkurrenz kommt zudem vom Onlinehandel. Dieser betrage im Sporthandel derzeit zwar nur rund 15 Prozent, allerdings mit starken Zuwächsen für die Branchengrößen wie Amazon oder Zalando.

Im ersten Quartal verzeichnete die Branche einen Umsatzrückgang von 0,8 Prozent. Insgesamt stagnieren die Umsätze seit Jahren, die Verkaufsflächen gingen laut RegioData zurück. Von 2,5 Mrd. Euro für Sportartikel geben die Österreicher nur 1,5 Mrd. in Sportartikelgeschäften aus.

Weniger betroffen von den Verschiebungen sei Tirol, sagt Katrin Brugger, Obfrau des Tiroler Sporthandels. Hier sei die Wintersaison nach anfänglichen Schwierigkeiten ab Jänner zufriedenstellend verlaufen. „Vor allem in den Tourismusregionen wird der Skiverleih immer wichtiger und steigt auch ständig“, erklärt Brugger die positive Entwicklung. Zudem würden die Kunden hierzulande viel Wert auf die Beratung legen, weshalb man auch weniger Kunden an den Onlinehandel verliere. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kunden Produkte online suchen und im Geschäft kaufen. Hier kann man das Produkt anfassen und sich beraten lassen“, sagt Brugger. Zudem seien die meisten Tiroler Sporthändler selbst mit Onlineshops im Internet vertreten. Angesichts sportlicher Großereignisse wie der Fußball-Europameisterschaft und der Sommerolympiade rechnet sie mit einer guten Sommersaison für den Tiroler Sporthandel. (ecke)