Letztes Update am Fr, 08.07.2016 09:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

Österreichs BIP wuchs 2015 real um ein Prozent

Österreichs Wirtschaftsentwicklung lag im vierten Jahr in Folge unter dem eigenen 20-Jahres-Schnitt.

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© Keystone



Wien – Die österreichische Wirtschaft wuchs im Jahr 2015 nach Berechnungen von Statistik Austria real um 1,0 Prozent. Das Wachstum war damit stärker als im Vorjahr (2014: plus 0,6 Prozent), blieb jedoch hinter der im internationalen Umfeld beobachteten Dynamik zurück. Die Europäische Union insgesamt verzeichnete nach bisher vorliegenden Ergebnissen ein reales Wachstum von 2,0 Prozent. Im Euroraum (plus 1,7 Prozent) war die reale Wirtschaftsentwicklung etwas gedämpfter. Die deutsche Wirtschaft (plus 1,7 Prozent) entwickelte sich 2015 deutlich stärker als die österreichische (Quelle: Destatis.de; Eurostat-Datenbank, Juni 2016).

Das österreichische Bruttoinlandsprodukt zu laufenden Preisen lag 2015 bei rund 339,9 Mrd. Euro (nominell plus 2,9 Prozent), was einem Wert von 39.390 Euro pro Einwohner entspricht.

Produzierender Bereich wächst stärker als Dienstleistungen

Im Dienstleistungsbereich lag das reale Wachstum mit 0,8 Prozent leicht unter dem des Produzierenden Bereiches mit 0,9 Prozent. Eine detaillierte Betrachtung des Produktionsansatzes nach Wirtschaftsbereichen zeigt, dass die Herstellung von Waren 2015 mit einem Plus von 1,8 Prozent das kräftigste reale Wachstum erzielte. Dem Trend der letzten Jahre entsprechend verzeichnete der Bau einen realen Rückgang seiner Bruttowertschöpfung (-1,1 Prozent). Ebenso wiesen die zentralen Branchen Handel (plus 0,6 Prozent), Verkehr (plus 0,3 Prozent) und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (ÖNACE M und N; plus 0,9 Prozent) 2015 nur eine geringe Wachstumsdynamik auf.

Binnennachfrage steigt schwach, Exporte steigenkräftig

Verwendungsseitig entwickelte sich die Exportnachfrage mit einem realen Wachstum von 3,6 Prozent am kräftigsten. Die Zuwachsraten der beiden vorangegangenen Jahre (2013: plus 0,5 Prozent; 2014: plus 2,3 Prozent) wurden damit übertroffen, der langjährige Durchschnitt (1995 bis 2015: plus 4,8 Prozent) wurde dennoch deutlich verfehlt. Die Konsumnachfrage war weiterhin schwach (real plus 0,6 Prozent). Während die Konsumausgaben des Staates (real plus 2,1 Prozent) und der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (real plus 1,0 Prozent) zulegten, stagnierte der private Haushaltskonsum auf dem Vorjahresniveau.

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Auch von der Investitionsgüternachfrage gingen insgesamt keine wesentlichen Impulse aus. Alle Investitionskategorien waren jedoch im Vergleich zum Vorjahr im Plus (Maschinen plus 4,3 Prozent, Fahrzeuge plus 1,4 Prozent, Wohnbauten plus 0,9 Prozent) – lediglich die Nicht-Wohnbauten gingen real um 2,6 Prozent zurück. Die Nachfrage nach immateriellen Anlagen wie Forschung und Entwicklung oder Software stieg ebenfalls leicht (real plus 0,6 Prozent).

Geringste durchschnittlich geleistete Arbeitszeit seit 1995

Das nominelle Arbeitnehmerentgelt (die Summe aller Geld- und Sachleistungen von Arbeitgebern an Arbeitnehmer) nahm 2015 um 3,0 Prozent zu. Bei einem nominellen BIP-Zuwachs von 2,9 Prozent und stärker gestiegenen Nettoproduktionsabgaben (plus 4,1 Prozent) ergibt das für Bruttobetriebsüberschuss und Selbständigeneinkommen entsprechend der Logik der funktionalen Einkommensverteilung einen geringeren Anstieg von 2,3 Prozent. Das reale verfügbare Nettoeinkommen der gesamten Volkswirtschaft stieg um 2,3 Prozent.

Die Beschäftigung in Vollzeitäquivalenten nahm um 0,7 Prozent zu. Die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse erhöhte sich ebenfalls um 0,7 Prozent auf rund 4,5 Mio. Gleichzeitig ging die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit je Beschäftigungsverhältnis um 1,3 Prozent zurück. Gegenüber dem Vorjahr ergab sich somit ein um 0,6 Prozent gesunkenes Arbeitsvolumen (=Summe der geleisteten Arbeitsstunden).

Diese Entwicklung bei den Erwerbstätigen bedeutet für das Jahr 2015 ein leichtes Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität von 0,3 Prozent je Erwerbstätigem bzw. eine deutlich gestiegene Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde (plus 1,6 Prozent).

Die Statistik Austria berechnet auch eine Inflation über das gesamte BIP - dieser „BIP-Deflator“ ergab einen Preisanstieg von 1,9 Prozent, während der üblicherweise als Inflationsrate verwendete Verbraucherpreisindex nur um 0,9 Prozent gestiegen ist. (TT.com)