Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.08.2016


Markt

Aus für Gratis-Sackerl an Kassen verärgert Kunden

Österreichs Lebensmittelketten und viele Händler haben im Juli die leichten Gratistaschen ganz abgeschafft. Die Kunden beschweren sich teils heftig.

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Von Nina Werlberger und Theresa Kirchmair

Kufstein, Wiener Neudorf, Wien, Wals, Völs, Salzburg, Sattledt – Seit Juli sind in vielen Lebensmittelmärkten und Handelsfilialen die leichten Gratis-Plastiksackerln von der Kasse verschwunden. Was als freiwillige Selbstverpflichtung des Handels mit 13 teilnehmenden Händlern zur Müllreduktion beitragen soll, kommt bei manchen Kunden nicht sonderlich gut an.

Bei Spar etwa hagelt es derzeit Beschwerden deswegen. Die Kunden seien „nicht happy“ über die Neuregelung, sagte Spar-Vorstandsdirektor Hans K. Reisch im TT-Gespräch. Derzeit erreichen den Konzern Reklamationen von Kunden, welche die Maßnahme „sehr negativ reflektieren“ würden, erklärte Reisch. Dass Spar die leichten Obstsackerln bei der Kasse abgeschafft hat, bereut Reisch aber nicht. Das Unternehmen habe hier mit Blick auf den Umweltschutz eine Verantwortung wahrzunehmen. Spar hofft jetzt auf einen Lerneffekt der Kunden.

Mit teils negativen Rückmeldungen haben auch andere Händler zu kämpfen, wie eine TT-Recherche ergab. Von einzelnen Beschwerden berichtet auch die REWE-Gruppe, zu der etwa Merkur und Billa gehören. Da normale Tragetaschen schon lange kostenpflichtig und auch nur wenige Gratis­sackerln verbraucht worden seien, war die Veränderung für Kunden gering, hieß es auf Anfrage.

Der Völser Lebensmittelhändler MPreis hat sowohl positive als auch negative Rückmeldungen erhalten, wobei grundsätzlich eine positive Stimmung vorherrsche. Das Unternehmen führt dies auf eine gesteigerte Sensibilität beim Thema Plastiksackerl in Tirol zurück.

Bei Hofer habe es kaum Änderungen gegeben, da nur sehr wenige Filialen überhaupt kostenlose Sackerln angeboten hätten, teilte das Unternehmen mit. Zu Reaktionen der Kunden äußerte der Diskonter sich nicht.

Auch beim Drogeriehändler dm hat es einzelne Beschwerden gegeben. 2011 führte dm einen Ökobeitrag von 20 Cent für die Gratissackerln ein, nur noch die kleinsten Exemplare blieben an der Kasse kostenlos. Nach Tests in Wiener Filialen hat dm aber auch diese inzwischen gänzlich abgeschafft.

Tchibo und Eduscho sprechen hingegen von durchwegs positiven Reaktionen auf das Ende der Gratissackerln. Die Kunden hätten Verständnis für die Aktion. Die freiwillige Selbstverpflichtung wird auch vom Diskonter Lidl unterstützt. Allerdings gab es dort überhaupt nie Gratis-Sackerln an der Kasse.

Die heimischen Händler suchen nun nach Alternativen neben den bereits kostenpflichtigen Tragetaschen. REWE berichtet, dass Kunden verstärkt selbst Taschen mitbringen, Hofer fordert sie dazu auf. dm setzt unter anderem auf Pfandtragetaschen, die bei Beschädigung umgetauscht werden können. MPreis bietet Fairtrade-Baumwolltaschen an, auch bei Tchibo/Eduscho werden Kunden auf recycelte Mehrwegtaschen hingewiesen.

Die Plastiksackerl-Richtlinie der EU will den Verbrauch pro EU-Bürger bis 2019 auf 90 Sackerln im Jahr beschränken. Sie bezieht sich auf schwerere Plastiktaschen. In Österreich liegt der Verbrauch hier bei nur 50 Stück, trotzdem peilt das Bundesministerium für Umwelt mit der freiwilligen Vereinbarung 25 Taschen an und verbannt mit dem Handel auch leichte Sackerln. Unterzeichner sind unter anderem auch Betten Reiter, Schäfer Shop, Deichmann, Media Saturn, H&M und Nichtregierungsorganisationen.