Letztes Update am Fr, 18.11.2016 12:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hintergrund

Marrakesch: Afrika im Visier der österreichischen Exportwirtschaft

25 Heimische Unternehmen präsentieren sich auf dem Klimagipfel in Marrakesch.

 Afrika ist für den Leiter der WKÖ-Außenwirtschaft „ein aufstrebender Kontinent, der zunehmend in das Gesichtsfeld von Europa rücken muss“. (Symbolfoto)

© REUTERS Afrika ist für den Leiter der WKÖ-Außenwirtschaft „ein aufstrebender Kontinent, der zunehmend in das Gesichtsfeld von Europa rücken muss“. (Symbolfoto)



Marrakesch – Dichtes Gedränge am österreichischen Gruppenstand „Advantage Austria“ war am gestrigen Donnerstagabend auf der UN-Klimakonferenz in Marrakesch auszumachen. Geladen hatte Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), der eine positive Bilanz zog. Schließlich ist es eine Premiere, dass sich heimische Unternehmen auf einem Klimagipfel präsentieren.

Dass man gerade hier in Nordafrika präsent ist, ist für Koren nicht nur damit zu erklären, dass die „Green Economy“ ein aufstrebender Wirtschaftszweig ist: Afrika ist für den Leiter der WKÖ-Außenwirtschaft „ein aufstrebender Kontinent, der zunehmend in das Gesichtsfeld von Europa rücken muss“. Die hier zum Teil hohen Wachstumsraten würden zusammen mit dem Megatrend „Erneuerbare“ eine Riesenchance darstellen, erläuterte Koren. Afrika sei „eine Chance, an der Österreichs Wirtschaft partizipieren muss“, und daher dürfe man mit seinem Engagement auch nicht auf die nächste Großkonferenz warten.

Umwelttechnologie als Wachstumsmotor

25 Unternehmen zeigten sich in Marokko nun erst einmal am Stand 310. Mit dabei etwa der oberösterreichische Kleinkraftwerke-Anbieter Global Hydro Energy, der Vorarlberger Seilbahnhersteller Doppelmayr, aber auch die Technische Universität Wien (TU), die ihr „Forschungszentrum für Energie- und Umwelt“ in Marokko bekannter machen will. Vonseiten der TU wurde unter anderem das Projekt „Hyly Pure“ vorgestellt, das die Nutzung bestehender Gasnetze für den Transport von Wasserstoff ermöglicht.

Der Umwelttechnologiebereich biete in Österreich derzeit rund 31.000 Arbeitsplätze, die direkt in der Industrie zu verorten seien, inklusive Zulieferern und Dienstleister seien es 200.000, so der Status quo. „Das ist die Zukunft“, so Koren, denn mit einem Umsatz von rund 10 Mrd. Euro und einer überdurchschnittlichen Exportquote von über 70 Prozent gehört dieser Wirtschaftszweig zu den Wachstumsmotoren.

Klimakonferenz als zusätzliche Plattform

Der Wirtschaftsdelegierte Christoph Plank, Leiter des Außenwirtschaftscenters Casablanca, kümmert sich seit Beginn der Klimakonferenz um den „Advantage Austria“-Stand. Die Aussteller seien der Meinung, gute Kontakte geknüpft zu haben und seien der Überzeugung, dass dadurch infolge auch Projekte entstehen. „Die Präsenz auf der COP muss man aber komplementär sehen“, so Plank auf die Frage nach der Wertigkeit. „Auf den Fach- und Umwelttechnikmessen, da ist Österreich ohnehin bereits weltweit präsent. Die Klimakonferenz bietet eine zusätzliche Plattform, um sich mit der Politik zu vernetzen. Das eine kann das andere aber nicht ersetzen“, nicht zuletzt, da auf Fachmessen üblicherweise das B2B-Geschäft im Mittelpunkt stehe.

Die Vorteile, die der Auftritt auf der Klimakonferenz bietet, sind für Koren, „dass man hier Image und Kompetenz präsentieren kann. Auch wenn dies nicht in erster Linie auf dem B2B-Level passiert, können hier essenzielle Kontakte für den Aufbau von weiteren Geschäften geknüpft werden“. Letztlich gehe es um den Kampf gegen Klimawandel, und diesen habe die Wirtschaft nicht nur als große Chance erkannt, man sei auch sensibilisierter für die Problematik im Allgemeinen. (APA)


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