Letztes Update am Mo, 28.11.2016 09:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Banken

„Basel IV“: Feilschen um Verschärfung von Banken-Regeln

Ob es bei den Verhandlungen der Bankenaufseher in Santiago de Chile zu einer Einigung kommt, ist allerdings ungewiss.

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Santiago de Chile – Die Banken blicken derzeit mit Spannung über den Atlantik. Am Montag und Dienstag kommen in Santiago de Chile Bankenaufseher aus aller Herren Länder im Basler Ausschuss zu einer womöglich entscheidenden Sitzung zusammen. Sie wollen in der Andenstadt neue Kapitalvorschriften für Banken weltweit festgelegen.

Das Regelwerk, das in der Branche „Basel IV“ genannt wird, könnte gerade für große Institute enorme Auswirkungen haben. „Das ist wichtiger als der Brexit“, sagt ein Banker. Ob es in der Andenstadt allerdings wirklich zu einer Einigung kommt, ist derzeit keineswegs ausgemacht. Denn zuletzt lagen die Vorstellungen der Europäer und der USA bei wichtigen Punkten weit auseinander, und es gibt auch einige Unsicherheiten aufgrund der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten.

Scheitern wäre ein „fatales Signal“

Strittig ist vor allem der Einsatz von internen Modellen, mit denen viele Großbanken berechnen, wie viel Eigenkapital sie für Kredite und andere Geschäfte zur Seite legen müssen. Ihrem Einsatz wollen die USA nun enge Grenzen setzen. Deutsche Institute befürchten, dass ihnen dadurch ein zusätzlicher Kapitalbedarf in Milliardenhöhe entsteht. Ein Scheitern der Verhandlungen wäre aber ein fatales Signal, sollte doch durch die neuen Vorschriften die Finanzbranche weltweit krisenfester gemacht werden.

Auch für Investoren und Banken wäre ein Scheitern durchaus ein Problem, deshalb gab es zuletzt unter anderem aus Deutschland vermehrt versöhnliche Töne. Ziel sei es, in Chile „nicht zu vertagen, sondern abzuschließen“, betonte der Deutsche- Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.

Insidern zufolge gibt es dafür auch politische Motive. Deutschland übernimmt im Dezember den Vorsitz bei der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20). Ein geplatztes Abkommen über Banken-Regeln, für dessen Scheitern manche Deutschland verantwortlich machen könnten, wäre dabei ein denkbar schlechter Start.

Hinzu kommt, dass viele gerne einen Deal eintüten würden, bevor Trump im Jänner ins Weiße Hause einzieht. Der neue US-Präsident hat im Wahlkampf angekündigt, nach der Finanzkrise eingeführte Regeln auf den Prüfstand zu stellen oder ganz abzuschaffen. Vor diesem Hintergrund gibt es in Europa allerdings große Zweifel, ob die amerikanischen Abgesandten in Chile überhaupt noch die Rückendeckung haben, einem folgenreichen Kompromiss zuzustimmen.

„Die amerikanische Seite ist derzeit sehr schwer einzuschätzen“, sagt ein EU-Bankenaufseher. „Wir müssen uns da überraschen lassen.“ (APA, Reuters)

Einführung des „Capital Floors“:

Im Dezember 2014 veröffentlichte der Baseler Ausschuss ein Konsultationspapier mit Vorschlägen für die Neugestaltung von Capital Floors, basierend auf überarbeiteten Standardansätzen für Kreditrisiken, Marktrisiken und operationelle Risiken. Im Mittelpunkt der Konsultation stand die Einführung einer Kapitaluntergrenze („Capital Floor"), die von den Banken nicht unterschritten werden darf.

Dieses Konsultationspapier ist Teil einer Reihe von Maßnahmen der Aufsicht, um die Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von Kapitalquoten zu verbessern. Zudem soll sichergestellt werden, dass das Kapital über das gesamte Bankensystem betrachtet nicht unter ein bestimmtes Niveau absinken kann.

Insgesamt verfolgt der „Capital Floor" fünf Ziele:

1. Angemessene Grenze für Kapitalanforderungen auf der Basis interner Modelle, um Gestaltungsspielräume bei der Modellierung zu begrenzen.

2. Reduktion des Modellrisikos

3. Reduktion des Anreizes zur bewussten Ausnutzung von Gestaltungsspielräumen bei der Modellierung zur Senkung der Kapitalanforderungen.

4. Vergleichbarkeit der RWA wird durch standardisierte Messvorgaben sichergestellt.

5. Variabilität der RWA-Ermittlung durch interne Modelle aufgrund bankspezifischer Annahmen oder Auslegungen durch die zuständige Aufsichtsbehörde wird vorgebeugt.

Quelle: PwC