Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 09.04.2017


Heizen

Eine „verdammt kurze“ Zeit

Will Tirol seine Umweltziele erreichen, ist ein sofortiger Stopp beim Einbau oder der Sanierung von Ölheizungen nötig, Förderungen für Gas sollten gestrichen werden.

(Symbolfoto)

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Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – 33 Jahre sind eine lange Zeit: Eine ganze Generation wächst in diesem Zeitraum heran und gründet wieder eigene Familien. Geht es darum, die Ziele des Zukunftsprogramms „Tirol 2050 energieautonom“ zu erreichen und damit eine lebenswertere Zukunft für eben diese Generationen zu sichern, scheinen die etwas mehr als drei Jahrzehnte bis dahin sehr kurz. „Verdammt kurz für die Umrüstung von 190.000 Gebäuden“, sagt Bruno Oberhuber, Geschäftsführer von Energie Tirol: Bis 2050 frei von fossilen Energieträgern zu werden, sei eine große Herausforderung.

Laut Global 2000 ist Tirol im Wohnbau-Check 2017 im Österreichvergleich beim Heizen Schlusslicht, die TT berichtete. Wie Energie Tirol bestätigt, werden derzeit mehr als 40 Prozent des Energiebedarfs für die Gebäude aufgewendet. Durch die richtige Dämmung sanierungsbedürftiger Gebäude und die Erneuerung veralteter Heizsysteme könnten bis zu 80 Prozent des Wärmebedarfs eingespart werden.

Tirol war beim Umstieg von Öl- auf Gasheizungen spät dran und ist es nun auch bei der Umstellung von Gas auf erneuerbare Energieträger. Um diesen Vorgang entscheidend zu beschleunigen, sind laut Energie Tirol neben einer klaren Zielformulierung mehrere Maßnahmen nötig: Förderungen für Gas sollten eingestellt und der Einbau oder die Sanierung von Ölheizungen möglichst verhindert werden. Denn wer jetzt eine im Sinn der Umwelt falsche Entscheidung trifft, der trifft sie für die nächsten Jahrzehnte. Ein Heizsystem hält länger als 30 Jahre. „Das könnten dann die letzten Meter sein, die uns beim Erreichen unserer Ziele fehlen“, so Oberhuber.

Ein Problem dabei ist der niedrige Ölpreis, der viele vom Umrüsten auf umweltfreundliche Alternativen abhält. Aber auch die verbreitete Meinung, Heizen mit Holz sei wegen der Feinstaubbelastung generell schlecht: „Zwischen einem Kaminofen und einer modernen Pelletsanlage ist, was die Emissionen betrifft, ein Unterschied von 1:1000.“ In Tirol gibt es rund 100.000 Holzöfen, „die müssten einfach gut betrieben werden“.

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Was Neubauten betrifft, gibt es einen „dramatischen Unterschied“ zwischen gemeinnützigen Bauträgern, die Passivhäuser bauen, und privaten Unternehmen. Diese hätten „andere Prioritäten“, so Oberhuber, „da geht es um den höchsten Preis pro Quadratmeter“. Um daran etwas zu ändern, wäre eine strenge Verordnung nötig. Immerhin sei aber das Interesse an der langfristig unumgänglichen Thematik gestiegen, ein Umdenken bereits spürbar.

Ob Sanierung oder Neubau: Wer wissen will, welche Heizung zu seinem Haus passt, kann sich am neu erstellten „Heizungskompass“ orientieren, siehe Grafik. Näheres unter www.energie-tirol.at/heizungskompass. Die Beratung durch Mitarbeiter von Energie Tirol – energie-tirol.at –, auch über Förderungen, erfolgt unabhängig von Fachfirmen.