Letztes Update am Di, 16.05.2017 13:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Börsen und Märkte

Bankaktien als Sparbuchersatz, FMA schiebt Riegel vor

In Österreich liegen nicht weniger als 20 Milliarden Euro in „bail-in-fähigen“ Wertpapieren.

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Wien – Aktien von Banken, Nachranganleihen, Ergänzungskapitalanleihen und unbesicherte Senior Bonds zählen zu den so genannten „bail-in-fähigen“ Wertpapieren - die bei einer Bankpleite herangezogen werden können, um Steuergelder zu schonen. In Österreich liegen nicht weniger als 20 Milliarden Euro in solchen Papieren bei Retailkunden, also bei privaten Haushalten und Kleinanlegern.

Insgesamt sind es 88 Milliarden Euro, die die österreichischen Banken an solchen Papieren ausgegeben und verkauft haben. Heuer werden davon wieder 20 Milliarden fällig, müssen also neu emittiert werden. „Wir wollen abstellen, dass solche Wertpapiere am Schalter als Sparbuchersatz verkauft werden“, sagte am Dienstag FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller.

Wertpapiere haben keine Einlagensicherung

Die Aufsicht will sicherstellen, dass die Bankkunden über alle Risiken informiert werden. Das betrifft nicht nur Neueinsteiger. Auch die bestehenden Anleger müssten wissen, dass ihre Bankpapiere „verlusttragfähig“ sind. Zur ordnungsgemäßen Information durch die Bank gehört auch, dass es für diese Wertpapiere keine Einlagensicherung gibt. Bei Sparbüchern sind die ersten 100.000 Euro von der Einlagensicherung bedeckt.

„Wir haben in anderen Ländern gesehen, dass es ein Abwicklungshindernis sein kann, wenn sehr viele dieser Wertpapiere bei Kleinanlegern platziert sind“, sagte Kumpfmüller.

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Die Ertragslage der Banken selbst ist 2016 spürbar besser geworden, resümiert die FMA in ihrem Jahresbericht. Die Branche sei stabiler geworden, das in der Finanzkrise erschütterte Vertrauen sei zurückgekehrt. Die Kernkapitalquote bei den Geldinstituten habe sich in den vergangenen zehn Jahren auf 14,7 Prozent mehr als verdoppelt. Bei den Versicherungen seien die Rücklagen derzeit mehr als doppelt so hoch wie ihre vertraglichen Verpflichtungen. Der Anteil an faulen Krediten sinkt. Und auch bei den Abbau- bzw. Abwicklungsbanken schreite der Abverkauf besser voran als erwartet. Bei der Heta könnte noch mehr Erlös drin sein, als jetzt schon bekannt.

Verflechtung unter den Banken birgt „Ansteckungsgefahr“

Immer noch sehr eng ist die Vernetzung und Verflechtung der Finanzhäuser in Österreich untereinander - nicht nur auf Eigentümerebene, sondern auch durch enorme wechselseitige Verbindlichkeiten. Jeder einzelne Strang sei ein potenzieller Ansteckungskanal. Diesen Verflechtungen müsse entsprechend Aufmerksamkeit zuteil werden, meint die FMA, die einmal mehr den Ansatz der „integrierten“ Aufsicht verteidigt. In der österreichischen Finanzwirtschaft arbeiten 121.000 Leute.

Im Rückgang der Verwaltungsstrafen, die die Aufsicht gegen Marktteilnehmer verhängt hat, sehen die Aufseher einen Beleg, dass ihre Maßnahmen griffen. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Verwaltungsstrafen von 531 auf 160 gesunken.

Weil in den nächsten fünf bis sechs Jahren besonders viele der noch ausstehenden Frankenkredite abreifen, müssen die Banken in nächster Zeit ihre Anstrengungen verstärken, damit die Häuslbauer ihre riskanten Fremdwährungskredite bzw. Kredite mit Tilgungsträgern schneller loswerden. (APA)