Letztes Update am Mo, 03.07.2017 16:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Finanzkrise

Banker und Aufseher dringen auf international abgestimmte Regulierung

Die Erfahrungen der Finanzkrise stecken vielen Bankern und Finanzaufsehern noch in den Knochen. Doch haben sie aus diesen Erfahrungen gelernt? So mancher fürchtet eine gefährliche Kleinstaaterei in Sachen Finanzmarktregulierung.

Ausgehend von der US-Immobilienkrise, bei der Millionen Amerikaner ihre Häuser verloren, folgte die größte Finanzkrise seit den 1930ern. Diese fand ihren Höhepunkt in der Lehman-Brothers-Pleite.

© APAusgehend von der US-Immobilienkrise, bei der Millionen Amerikaner ihre Häuser verloren, folgte die größte Finanzkrise seit den 1930ern. Diese fand ihren Höhepunkt in der Lehman-Brothers-Pleite.



Frankfurt – Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise warnen Banker und Aufseher vor einem Rückfall in nationale Regeln für die Finanzbranche. „Renationalisierung von Regulierung, Renationalisierung von Aufsicht kann nicht die Antwort sein. Das hilft weder den Banken noch trägt es zur Stabilität des Finanzsystems bei“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer, am Montag bei einer Konferenz in Frankfurt.

Nach dem Schock der Jahre 2007/2008 hätten alle Regulierer an einem Strang gezogen, erinnerte der damalige Bundesbank-Präsident Axel Weber. Inzwischen gebe es wieder mehr nationale Bestrebungen. Weber, heute Präsident des Verwaltungsrates der Schweizer Großbank UBS, warnte: „Die Krise passiert immer im schwächsten Glied der Kette.“ Die Verwerfungen der Jahre 2007/2008 seien mitnichten alle aufgearbeitet: „Wir sind mitten in der Phase der Krisenlösung.“

„Besser aufgestellt, aber noch viele Hausaufgaben“

Insgesamt sieht Europas oberste Bankenabwicklerin, Elke König, die Branche heute jedoch besser gerüstet als vor der Krise. „Wir haben die richtigen Schritte getan und sind deutlich besser aufgestellt als vorher“, sagte die Chefin der Bankenabwicklungsbehörde SRB. „Wir haben aber noch viele Hausaufgaben zu erledigen.“

Im Sommer 2007 war die sogenannte „Subprime“-Krise aus den USA nach Deutschland geschwappt: Auch deutsche Banken hatten Milliarden in kaum abgesicherte US-Immobilienkredite investiert, die zu Päckchen gebündelt als hochklassige Wertpapiere verkauft wurden. Das Platzen der amerikanische Immobilienblase löste weltweit Turbulenzen aus.

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In Deutschland traf es Ende Juli 2007 als erstes die IKB, eilends wurde ein Rettungspaket für die Mittelstandsbank geschnürt. Später wurde per Notverkauf die sächsische Landesbank gerettet, etliche andere Landesbanken mussten gestützt werden. Im Herbst 2008 schockte die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Finanzwelt.

Basel IV stockt und Trump will Regulierungen lockern

Aus den Erfahrungen der Krise entwickelten Experten weltweit strengere Regeln für die Finanzwelt. International bündelten sie ihre Anstrengungen im sogenannten Basel-Kommitee, das den Banken unter anderem höhere Kapitalpuffer zur Abfederung von Krisen vorschrieb. Die Verhandlungen um das jüngste Regelwerk „Basel IV“ sind jedoch ins Stocken geraten. So hat die US-Regierung unter Präsident Donald Trump angekündigt, die Finanzmarktregulierung wieder lockern zu wollen.

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) als Gremium der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer erklärte, die zurückliegenden Reformen hätten einen sichereren Finanzmarkt geschaffen. Es bleibe aber noch einiges zu tun, hieß es in einem Appell an die G20-Politiker, die sich Ende dieser Woche in Hamburg treffen. (dpa)