Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.10.2017


Exklusiv

Ernährungstrends: Bio und vegan, aber auch Gurke in Gin

Auf der weltgrößten Lebensmittelmesse Anuga in Köln werden Essens-Trends gezeigt. Die Zukunft am Teller ist weiterhin bio, vegan und veggie. Tiroler Firmen setzen auf Marmeladeneis, Mus, Milch, Müsli und fettarm.

© AnugaRund 7400 Aussteller und geschätzte 160.000 Besucher sind bei der Lebensmittelmesse Anuga in der Messe Köln. Zu sehen gibt es fast alles am Lebensmittelmarkt.



Von Verena Langegger

Köln – Alle zwei Jahre wird Köln fünf Tage lang zur Welthauptstadt der Lebensmittelindustrie. Das Motto lautet „Taste the future“, und die Weltleitmesse wird von 7. bis 11. Oktober geschätzte 160.000 Besucher zählen. Wer sich die Anuga anschauen will, der sollte sich Zeit nehmen. Denn das Angebot ist gigantisch. Rund 7400 verschiedene Aussteller präsentieren in den diversen Hallen ihre Produkte und Innovationen aus dem Lebensmittelsektor. Belegt wird das komplette Kölner Messegelände. Und dieses hat immerhin 284.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in elf teilweise mehrgeschoßigen Hallen.

Auf die Anuga kann aber nicht jeder, die Messe ist für Entscheidungsträger im Lebensmittelsektor, also für Einkäufer, Importeure, Exporteure oder Gastronomen.

Die Familie führt die Früchteküche weiter. Paul Unterweger (re.), zweite Generation hat bereits einige Geschäfte an seine Kinder – wie etwa Schwiegersohn Paul Hysek-Unterweger – übergeben.
- WKT

Wer dort ausstellt, hat meist schon einen Namen in der Branche und will seine Kontakte pflegen. Das macht auch Paul Unterweger aus Assling mit seiner Früchteküche. Der Seniorchef ist bereits das 18. Mal auf der Messe, früher habe er – um seine Kunden zu treffen – wochenlang durch Europa gondeln müssen, bei der Anuga trifft er an seinem Sechs-Quadratmeter-Stand rund 60 Prozent von ihnen. Mit seinen Geschäften sei er zufrieden, der Exportanteil seiner Marmeladen liege bei 25 Prozent. Derzeit nehme er den Weg „über die Gastronomie“, besonders gut komme derzeit Marmeladeneis an. Stolz ist Unterweger auch auf seine 90 verschiedenen Sorten an Marillenmarmelade. „Was meinen Sie, muss man tun, damit ein Keks mit Marillenmarmelade noch zu Weihnachten gut schmeckt?“ Diese Marmelade brauche eine bestimmte Verarbeitung mit Pektin, damit sie nach Monaten noch geschmeidig ist.

Auch die Biomarke BiologoN aus Itter hat einen Stand. Verkaufsleiterin Katja Schulze will ihr beliebtes „Crunchy Beerenmüsli“ präsentieren. Für Weihnachtsstimmung soll zudem ein neues Lebkuchen-Crunchy-Müsli sorgen. Und auch Handl Tyrol setzt mit der Produktlinie „G’sund auf Tirolerisch“ auf den Trend zur gesunden Ernährung.

Die Almmilch erhält den Innovationspreis auf der Anuga.
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Besonders erfolgreich auf der Anuga 2017 ist die ErlebnisSennerei Zillertal. Christian Kröll war schon fünfmal in Köln, heuer hat er es unter die 60 ausgezeichneten Aussteller geschafft. Die Almmilch schafft es unter die Top-Getränke und erhält den Innovationspreis 2017. Heuer will Kröll vor allem Kontakte am deutschen Markt knüpfen. Der deutsche Gast sei oft im Zillertal, die Marke also bekannt, jetzt müssten nur noch mehr Produkte der ErlebnisSennerei erhältlich sein. Bereits jetzt werde online viel in deutsche Großstädte geschickt, ein flächendeckendes Sortiment gebe es bisher nur bei der Handelskette Hit bzw. in Edeka-Filialen. Auch die Firma Darbo aus Stans zeigt Neuheiten auf der Lebensmittelmesse, etwa das Darbo-Fruchtmus.

Und was sollte man sonst noch essen, um „in“ zu sein? Bio und Vegan sind immer noch Trends, ebenso Proteinhaltiges, am besten ohne Gluten, Zucker oder Laktose. Riegel aller Art gibt es tatsächlich schon viele. Auch Superfood – Chia oder Quinoa – muss immer noch ins Essen. Ansonsten dominiert in der globalisierten Welt die Fusionsküche, etwa Pizza mit Döner-Belag oder farbiges Fladenbrot für den Toaster. Es gibt nichts, was es nicht gibt: in der veganen und Veggie-Abteilung sogar Thunfisch ohne Fisch. Wer gern schon vom Essen betrunken wird, kann in Gin eingelegte Gurken versuchen.

Ein Food-Trend in der schnelllebigen Zeit ist gefrorenes Essen. Also auch gegrillte Zucchini, die dann gefroren werden.
- Anuga