Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.11.2017


Tipps

Vorsicht bei „Gratis“-Angeboten im Internet

Unseriöse Anbieter treiben im Internet ihr Unwesen. Konsumentenschützer kommen mit dem Warnen kaum nach. Häufig sind Abofallen: satte Rechnungen für Dienste, die man gar nicht will.

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© Getty Images/iStockphoto



Von Markus Schramek

Innsbruck – Ach, was muss man oft von bösen Internetaktivitäten hören oder lesen! Dichter Wilhelm Busch selig, dessen geflügelte Worte wir hier abgewandelt haben, blieb von dieser Art von Gemeinheit zu seinen Lebzeiten (1832–1908) noch verschont. Wir Zeitgenossen des Jahres 2017 und folgende müssen dagegen aufpassen wie die Weltmeister, um nicht in eine der zahllosen Fallen zu tappen, die im Internet auf uns lauern. Als Ombudsmänner sehen wir es als unsere Aufgabe, beim Warnen nicht müde zu werden. Daher, sogar mit zwei Rufezeichen: größte Vorsicht beim munteren Herumklicken im Netz!!

Aktuell häufen sich nämlich wieder Meldungen über so genannte Abofallen im virtuellen Raum des WWW.

Und diese Fallen funktionieren so: Internetsurfer A vertreibt sich die Zeit im Netz. Er klickt eine Seite an. Plötzlich öffnet sich darauf eine Werbeeinschaltung. Was heißt öffnen: Besagtes Inserat hüpft Surfer A förmlich an. Pop-up-Werbung heißt das im Fachsprech; „pop up“ bedeutet ja auch „plötzlich auftauchen“ auf Englisch. Häufig wird derartige Werbung in sozialen Medien platziert, wo wir ja so oft hängenbleiben.

Beworben wird alles X-Beliebige: Liedtexte, Rezepte, gerne auch Routenplaner, Horoskope oder Streaming-Dienste, also das überaus beliebte Filmschauen per Computer online von daheim aus.

Beim Hinweis, dass besagte Angebote per „kostenloser Registrierung“ oder gar „gratis“ genützt werden können, wird Surfer A (wie so viele andere auch, da ist er in großer Gesellschaft) dann schwach: Er gibt seinem Impuls nach und klickt hin.

Genau darauf haben windig-findige Geschäftemacher nur gewartet. Von gratis ist nämlich schon bald keine Rede mehr. Beim Internetbenützer A langen satte Rechnungen per E-Mail ein, oft in Höhe dreistelliger Beträge. A habe ein Abo abgeschlossen und dieses sei nun zu bezahlen, lautet der toll-dreiste Hinweis. Tue A das nicht, würden rechtliche Schritte folgen.

Zahlen muss A für solche aufs Auge gedrückte Geschäfte aber nicht. Er wollte ja gar kein Abo. Und eine Zahlungspflicht für die beworbenen – nennen wir sie – „Dienste“ war, wenn überhaupt, irgendwo kleingedruckt auf der besuchten Webseite vermerkt.

Korrekte Bestellvorgänge im Internet sehen ganz anders aus. Sie haben offen und transparent zu erfolgen.

Thorsten Behrens vom Expertenteam des Internet-Ombudsmanns erläutert, wie das aussieht: „Auf der Webseite eines Anbieters muss sich eine gut sichtbare Taste befinden, auf der ,Zahlungspflichtig bestellen‘ steht. Drückt der Konsument diese Taste oder klickt er sie an, ist ein Vertrag zwischen ihm und dem Händler zustande gekommen.“ Bloßes Herumsurfen auf Seiten kann also kein Bestellvorgang sein.

Der Internet-Ombudsmann ist der vom Staat eingesetzte Wächter über Onlinegeschäfte. Unter der Webadresse watchlist-internet.at machen Behrens und Co. öffentlich, vor welchen Internethändlern man sich besser hüten sollte. Betroffene (und somit auch Betrogene) können auf dieser Seite zwielichtige Aktivitäten im Netz melden.

Das Problem mit Abofallen grassiert in ganz Europa. Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ), ein Netzwerk von Konsumentenschützern aus 30 Ländern, ist bemüht, unschöne Internetaktivitäten grenzüberschreitend zu bekämpfen. Das EVZ warnt dringend davor, persönliche Daten im Internet bekannt zu geben, außer man will wirklich etwas kaufen. Denn mithilfe persönlicher Angaben werden arglose Benutzer zu Zahlungen gedrängt.

„Ein Produkt, das ich nicht bestellt habe, muss ich weder bezahlen noch zurückschicken“, heißt es beim EVZ. Der Händler habe zu beweisen, dass der Kunde dem Kauf zugestimmt hat. Das kann der Anbieter nur, wenn es sich um einen echten Kaufvorgang gehandelt hat. Und nicht um eine ausgemachte Sauer-, pardon, Hereinlegerei.