Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.12.2017


Markt

Auto-Daten: Warnung vor Monopol und Preissprung

Freie Werkstätten und der ÖAMTC rufen die EU auf, Bestrebungen der Autokonzerne auf einen alleinigen Zugriff auf Daten zu verhindern.

Bald müssen die Winterreifen montiert werden.

© KeystoneBald müssen die Winterreifen montiert werden.



Wien – Es geht um die Frage, wer die von einem Fahrzeug produzierten Daten verwenden darf und wer das Verfügungsrecht über Daten aus dem Fahrzeug besitzt. „Wir sehen schon seit einiger Zeit die Tendenz, dass Kfz-Hersteller den fairen und gleichberechtigten Zugang zu den Daten aus dem Auto verhindern wollen“, warnt ÖAMTC-Sprecher Bernhard Wiesinger vor einem Daten-Monopol der Autobauer. Autobesitzer müssten selbst entscheiden können, wem sie welche Daten zur Verfügung stellen. „Dafür haben sich in einer Umfrage 94 Prozent unserer Mitglieder ausgesprochen“, so Wiesinger. Bereits heute hätten die Hersteller exklusiven Zugriff über Onboard-Diagnose-Stecker, künftig werde es dabei vor allem um Daten gehen, die per SIM-Karten übertragen werden.

Ganz ähnlich sehen das auch die Vertreter der freien Werkstätten. Laut Walter Birner vom Verband der freien Kfz-Teile-Fachhändler lasse in Österreich jeder zweite Autofahrer seinen Wagen in einer Automarken-unabhängigen Werkstätte reparieren. Gründe seien persönliche Betreuung, guter Service und leistbare Preise. „Wenn der Zugang zum On-Board-Diagnosestecker (OBD) des Fahrzeuges verschlossen wird, oder aus diesem für ein Multimarken-Diagnosegerät keine Fahrzeug-Daten mehr auslesbar sind, können freie Werkstätten nicht einmal mehr einen Bremsklotz wechseln.“ Und sollte die Reparatur nur noch in den Werkstätten der Fahrzeughersteller möglich sein, würde das laut Birner „den Autofahrer sehr teuer kommen“.

Der unabhängige Kfz-Aftermarket bedient in Europa 284 Millionen Fahrzeuge mit 3,5 Millionen Mitarbeitern in etwa 500.000 vornehmlich Klein- und Mittelbetrieben“, sagt der Chef des Landesgremiums Wien Fahrzeughandel, Wolfgang Dytrich.

Die Regierung wird aufgefordert, sich für die Wahlfreiheit der Konsumenten einzusetzen. Es sei auch sicherzustellen, dass nach Zustimmung des Fahrzeuglenkers freie Werkstätten, Pannendienste und andere Dienstleister Zugriff auf die für sie notwendigen Daten haben – und dass dieser Zugriff nicht von den Kfz-Herstellern überwacht wird.“ Auf europäischer Ebene laufen derzeit intensive Verhandlungen zur Typengenehmigungsrichtlinie für Pkw. „Das Europäische Parlament unterstützt unsere Sichtweise“, erklärte Wiesinger. (TT, APA)

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