Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.02.2018


Österreich

18,3 Milliarden im Pfusch, Österreich EU-Schlusslicht

Im Gegensatz zur boomenden regulären Wirtschaft schrumpft die Schattenwirtschaft auch heuer. In Tirol wird für 1,39 Mrd. Euro gepfuscht.

© BilderBox.comBis zu 500.000 Österreicherinnen und Österreicher verdienen sich zumindest gelegentlich mit Pfusch Geld dazu. (Symbolbild)



Linz, Innsbruck – Österreich hat zurzeit mit Wachstumsraten von 3 Prozent eine lange nicht mehr dagewesene Hochkonjunktur. Die Schattenwirtschaft ist hingegen deutlich rückläufig, betont der Linzer Uni-Professor und international anerkannte „Pfusch-Papst“ Friedrich Schneider. Bereits 2016 war das Pfusch-Volumen in Österreich von 21,4 auf 20,6 gesunken und anschließend im Vorjahr auf 19,3 Mrd. Euro.

Für heuer sagt Schneider beim Pfusch ein weiteres Minus der Schattenwirtschaft um 5,2 Prozent auf 18,3 Mrd. Euro voraus. Das entspreche nur noch 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und sei der tiefste Wert seit den 1990er-Jahren, Österreich habe damit auch die niedrigste Pfusch-Quote aller 28 EU-Länder. Im Schnitt haben die EU-Länder heuer laut Prognose eine Pfusch-Quote von 16,8 Prozent. Hier ist Bulgarien mit 30,8 Prozent Spitzenreiter, gefolgt von Kroatien mit 27,4 und Rumänien mit 26,7 Prozent. Griechenland liegt bei 20,8 und Italien bei 19,5 Prozent, aber auch Deutschland hat mit 9,7 Prozent weit mehr Schattenarbeit als Österreich.

Durch die kräftig wachsende Wirtschaft und den Arbeitslosen-Rückgang um etwa 20.000 Personen nehme der Pfusch in Österreich heuer um rund 1,2 Mrd. Euro deutlich ab, betont Schneider. Dem stehe jedoch ein zunehmendes Pfusch-Volumen durch 40.000 Flüchtlinge von 192 Mio. Euro gegenüber.

Nach Sektoren ganz oben steht beim Pfusch mit einem Anteil von 39 Prozent der Bereich Baugewerbe und Handwerksbetriebe (inklusive Reparaturen). Es folgen die sonstigen Gewerbebetriebe und haushaltsnahen Dienstleistungen mit 17 Prozent bzw. 3,1 Mrd. Euro sowie „andere Gewerbe- und Industriebetriebe“ sowie „Dienstleistungsbetriebe (Hotels, Gaststätten) mit je 2,9 Mrd. Euro Umsatz (je 16 Prozent). 2,2 Mrd. Euro steuert die Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche bei.

Größter Verlierer beim Pfusch sei der Staat, dem hauptsächlich Sozialversicherungsbeiträge, aber auch Steuern entgehen – beides zusammen rund 2 bis 3,5 Mrd. Euro pro Jahr. Die Krankenversicherungen müssten auch die erhöhten Kosten der zusätzlichen Unfälle bzw. der Arbeitsunfähigkeit von Pfuschern tragen. Bei aller Illegalität und krimineller Energie, die mit Pfusch verbunden sei, dürfe nicht vergessen werden, dass die Wirtschaft von der Schattenarbeit profitiere. „Viele Häuser und Eigenheime gäbe es ohne Pfusch nicht“, so Schneider.

In Tirol gab es im Jahr 2004 den Pfusch-Höchststand mit damals umgesetzten 2,8 Mrd. Euro. Im Vorjahr fielen die Umsätze von 1,57 auf 1,47 Mrd. Euro, für heuer prognostiziert Schneider ein weiteres deutliches Minus auf 1,39 Mrd. Euro. (va, APA)

Bis zu 500.000 Österreicherinnen und Österreicher verdienen sich zumindest gelegentlich mit Pfusch Geld dazu.Foto: Bilderbox
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